Was zeichnet Markus Gisdol aus?

Der Radikale

Markus Gisdol wagte einst in Hoffenheim einen radikalen Umbruch und gilt als Taktikfuchs. Wird er auch den Hamburger SV reformieren? Die 11FREUNDE-Analyse.

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Markus Gisdols Bundesliga-Karriere begann mit einem Paukenschlag. 2013 übernahm er die TSG Hoffenheim im Abstiegskampf. Statt auf alte Haudegen zu setzen, ersetzte er die halbe Mannschaft – im wahrsten Sinne des Wortes.

Über ein Dutzend Profis schob Gisdol zu den Amateuren ab. Illustre Spieler wie Tobias Weis, Eren Derdiyok oder Tim Wiese durften nicht mehr mit der ersten Mannschaft trainieren. Die TSG gelang mit Jungprofis aus der A-Jugend der Nichtabstieg – und die aussortierten Profis fanden sich später in der berühmt-berüchtigten Trainingsgruppe 2 wieder.

An diesem Wochenende startet Markus Gisdol in seine zweite Trainerstation. Der Hamburger SV setzt große Hoffnungen in den neuen Trainer. Von einer Trainingsgruppe 2 spricht in Hamburg indes niemand. Gisdol betonte bei seinem Amtsantritt, er wolle das Bestmögliche aus seinem Kader kitzeln. Selbst wenn Gisdol in der Mannschaftsführung zunächst nicht zu radikalen Maßnahmen greift, auf dem Platz wird er es tun. 

Intensität über alles

Gisdol ist ein Taktiker, der vieles ausprobiert. Als Stammsystem setzt er wie die meisten Bundesliga-Trainer auf ein 4-2-3-1. Gisdol wagt allerdings auch viele Experimente und versucht, seine Taktik stets an den Gegner anzupassen. Dabei überzeugt er mit seinem Variantenreichtum: Ob 4-3-3, Raute oder 4-3-2-1, Gisdol wechselt binnen eines Monats viermal die Formation, wenn es sein muss.

Konstante seiner Hoffenheimer war stets das intensive Pressing. Gisdol möchte, dass seine Mannschaft den Gegner jagt und hetzt. Seine Hoffenheimer waren stets eine der laufstärksten Mannschaften der Liga. Besonders im Gegenpressing nach Ballverlusten soll die gesamte Mannschaft nach vorne rücken und nicht zurückweichen.

Gisdol dürfte in seinen ersten Spielen als HSV-Trainer das Pressing seiner Mannschaft fokussieren. Bereits unter Bruno Labbadia verschob das Team kollektiv über den Platz und machte die Räume eng. Das Pressing unter Labbadia setzte jedoch meist erst kurz vor der Mittellinie ein – Gisdol dürfte es einige Meter weiter nach vorne verlagern.

Fokus auf junge Spieler

Aufgrund seiner Vorliebe für ein aggressives Pressing sowie für schnelles Umschalten bevorzugt Gisdol junge Spieler. Geistig und körperlich schnell müssen sie sein. Wie fit die HSV-Spieler geistig sind, lässt sich von außen schwer beurteilen. Körperliche Geschwindigkeit bietet der HSV-Kader allemal: Bobby Wood, Filip Kostic oder Nicolai Müller passen mit ihrer hohen Sprintgeschwindigkeit zur Philosophie des neuen Trainers.