Was will uns Philipp Lahm auf Twitter sagen?

»Wir dürfen keine Punkte liegen lassen«

In den sozialen Medien werden selbst durchschnittliche Zweitligakicker zu flippigen Selbstdarstellern. Nur Philipp Lahm gibt weiterhin den Versicherungs-Azubi.

imago

>>> Dieser Artikel erschien erstmals am 1. April 2016. 


Vor einiger Zeit postete Rolf Feltscher auf Instagram ein Bild, das man getrost als Gesamtkunstwerk bezeichnen kann. Es zeigt den Duisburger Verteidiger oberkörperfrei auf dem Boden sitzend, daneben ein Rucksack mit Gumminieten-Applikationen. Er trägt eine silberne Hose, irgendwas zwischen Leggins und Jeans, hat ordentlich Schminke im Gesicht und die Frisur mit Haarspray toupiert. Bisschen David Bowie, bisschen Robert Smith.


 
Feltscher manövrierte sich mit diesem Bild über Nacht an die Spitze des Bundesliga-Hedonismus-Rankings. Er war nunmehr der Fußballer, der, wie Jugendliche so sagen, den Swag so weit aufgedreht hatte, dass selbst Granit Xhaka und Pierre-Emerick Aubameyang kapitulieren und Mike Werner anerkennend Beifall klatschen würden.

»Ziemlich beschissen«
 
Natürlich darf man ein solches Bild seltsam, komisch oder grotesk finden. Man kann das Ganze auch, wie »Vice« es tat, von einem 20-jährigen Mode-Blogger bewerten lassen, der in diesem Zuge gleich mal ein paar andere Outfits von Fußballern analysierte und zu dem nicht gerade überraschenden Fazit kam, dass alles »ziemlich beschissen« ist, was sich nicht dem eigenen Style-Diktat unterwirft.
 
Aber warum überhaupt? Immer wieder beklagt der Fußball das Verschwinden von sogenannten Typen, von Spielern, die einfach das tun oder sagen, was ihnen in den Sinn kommt. Die spontan sind, wild manchmal, ein bisschen anders (so weit das im Profifußball überhaupt möglich ist), die auch mal dahin gehen, wo es wehtut. Auf dem Platz, aber eben auch in Interviews und in Sachen Mode. Gerade erst beklagte die Fußballwelt doch noch lautstark den Umgang mit Max Kruse oder bedauerte es zutiefst, dass Thomas Müller sich in Zukunft in Interviews zurückhalten will.

Und sowieso: In den Social-Media-Kanälen der Profis geht es kaum anders zu als in der eigenen Timeline. Es gibt da den Selbstdarsteller, den Besserwisser, den Ich-fotografiere-mein-Mittagessen-Typen, den Ich-bin-jetzt-Fotograf-und-knipse-Street-Art-Bilder-Typen, den Guck-mal-hier-mein-neues-Projekt-Typen. Es kann alles ein bisschen aufregen, es kann aber auch alles ein wenig profane Unterhaltung sein.

Die pure Vernunf hat gesiegt
 
Nur im schlimmsten Fall ist es ganz schön langweilig. Im schlimmsten Fall landet man nämlich bei diesem Typen, der alles immer richtig machen will. Der eigentlich nichts zu sagen hat – und 140 Zeichen Platz dafür hat. Bei dem die pure Vernunft gesiegt hat. Zum Beispiel auf der Twitter-Seite von Philipp Lahm.
 
Der Bayern-Kapitän meldete sich schon im August 2008 bei Twitter an, verfasste aber erst am 18. Oktober 2015 seinen ersten Tweet, und der las sich so: »Mein erster Tweet. Freue mich auf @TwitterDE und in neue Themen einzutauchen. Ab jetzt Fokus auf #ARSFCB.« Dazu postete er ein Bild, auf dem er aussah, als sei er auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch bei der Allianz-Versicherung.


In diesem Duktus ging es weiter. Auf zeit.de erklärte Lahm später in einem Interview, dass er die meisten Einträge selber schreibe und »zumindest jedes Mal beteiligt« sei, wenn etwas gepostet werde. Was eigentlich kaum zu glauben ist, denn Philipp Lahms Twitter-Einträge lesen sich, als hätte sie ein Textroboter generiert, der vorher von Heribert Faßbender mit ein paar Fußballfloskeln gefüttert wurde.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!