Was von der Posse um Toni Schumacher zu halten ist

Ein Bärendienst

Im Auge des drohenden Abstiegs liefert sich Kölns Vize-Präsident Toni Schumacher eine Privatfehde mit Martin Kind. Für den 1. FC Köln ist das ein schwerer Schlag.

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»Ich spiel doch nicht in Meppen«, sagte Toni Schumacher einst als Torwart von Schalke 04 vor dem drohenden Abstieg 1988. Nein, 2. Liga und Meppen, das käme für ihn nicht in Frage. Ein dummer Spruch, denn Schalke stieg ab und ein findiger Logistiker stellte daraufhin seinen LKW vor die Haustür Schumachers: »Das Fußballerlebnis SV Meppen - 2. Bundesliga«. War einen Lacher wert und trotzdem können sie im Emsland diese Geschichte nicht mehr hören. Toni Schumacher wohl auch nicht mehr. Fest steht aber: Der Nationaltorhüter stand zu seinem Wort und wechselte zu Fenerbahce Istanbul, denn den Abstieg hatte er nicht mehr verhindern können.

Endergebnis: Das wird nichts!

Der 1. FC Köln ist abgestiegen. Also rechnerisch natürlich nicht, aber da wir nie sonderlich gut in Mathe waren, können wir behaupten: Der 1. FC Köln ist (so gut wie) abgestiegen. Zwei Punkte aus den ersten 13 Spielen. Das ist einfach zu wenig. Wer aus den vergangenen fünf Jahren einen Schnitt bildet, sieht, dass knapp 35 Punkte benötigt werden, um nicht abzusteigen. Das ist wesentlich weniger, als die goldene 40-Punkte-Regel. Aber immer noch wesentlich mehr als zwei Punkte.

33 Punkte würde der 1. FC Köln also aus den verbleibenden 21 Spielen benötigen. Das bedeutet, etwaige Unentschieden einfachheitshalber nicht mitgerechnet, dass dafür elf Siege notwendig wären. In der vergangenen, noch immer und gerade jetzt überirdisch wirkenden letzten Saison, holten die Kölner zwölf Siege. Und weil wir wirklich nicht gut in Mathe sind, überspringen wir jetzt mal ein paar Zwischenrechnungen und kommen zum Ergebnis: Leute, das wird nichts.

Toni Schumacher, der mittlerweile sogar mal in Meppen war und Vize-Präsident des FC ist, will das nicht wahrhaben. Vor dem Spiel gegen die Hertha, Endstand 0:2, hat er im »Doppelpass« gesagt: »Es sind noch 22 Spiele und 66 Punkte zu vergeben. Da soll ich jetzt schon die 2. Liga ausrufen? Das sehe ich überhaupt nicht ein.« Jetzt sind zwar nur noch 63 Punkte zu vergeben, aber an der Meinung dürfte sich wenig geändert haben.

Schlagabtausch

Es war nicht die einzige Aussage, bei der sich Schumacher an diesem Tag weit aus dem Fenster lehnte. Nein, weil durchgesickert war, dass der 1. FC Köln mit Horst Heldt als Sportdirektor verhandle, gab der Vize auch hierzu eine brisante Einschätzung ab: »Wir haben mitbekommen, dass Hannovers Verantwortliche Probleme miteinander haben.« Und ja, man habe mit Horst Heldt gesprochen.

Was sich daraus entwickelte, war ein Schlagabtausch zwischen Schumacher und Hannovers Präsident Martin Kind über mehrere Runden. Nach der Aussage telefoniere Kind mit »Sport1«, dementierte dort, dass es Probleme gäbe. Und sowieso: Köln könne sich Horst Heldt als Sportdirektor abschminken. In der Talkshow von »Sky« dann das gleiche Spiel, wieder bezog Kind Stellung. Gleicher Inhalt.