Was von der Liga diese Saison zu erwarten ist

Die wahre Erfolgsgeschichte

Der Vorsprung der Bayern ist so groß, dass sich der Klub sogar eine zunehmend wirr erscheinende Vereinsführung leisten kann. Bayern-Präsident Uli Hoeneß ist in diesem Sommer nicht nur auf einem rätselhaften Kreuzzug gegen Mesut Özil, er irritiert inzwischen auch viele Fans des Klubs mit widersprüchlichen Forderungen. Einerseits lehnt er hohe Ablösesummen ab, weil sich dadurch Probleme mit Stars noch potenzieren würden. Andererseits kündigt er für den kommenden Sommer aggressive Investitionen an. Um wieder für mehr Wettbewerb in der Bundesliga zu sorgen, würde er gerne Investoren zulassen. Aber Investoren wie bei Manchester City oder Paris St. Germain, die er FC Abu Dhabi und FC Katar nennt, findet Hoeneß auch blöd.

Dieses Gerede passt zum planlosen Bild einer Bundesliga, die gerade wieder da angekommen scheint, wo sie in den 1990er Jahren schon mal war. Die Serie A hatte damals, als dort die besten Spieler der Welt in den aufregendsten Mannschaften spielten, die gleiche Rolle wie heute die Premier League. Allerdings gibt es einen gewaltigen Unterschied: die Premier League ist heute von der Bundesliga nur einen Knopfdruck auf der Fernbedienung entfernt. Sie konkurriert nicht nur auf dem Transfermarkt mit den Engländern, sondern auch um das Interesse im eigenen Land. Viele junge Fans verfolgen nämlich nicht nur zunehmend die großen internationalen Klubs, sondern vor allem einzelne Stars. Deshalb wechseln sie auch mit, wenn Leroy Sané, Ilkay Gündogan oder Ousmane Dembélé die Bundesliga verlassen. 

Regionale Merkwürdigkeit

Das Faszinierende zum Start der Bundesligasaison 2018/19 ist aber, dass sich all das noch nicht zu einer Krise verdichtet hat. Hier und da sind zwar in der Vorsaison Plätze in den Stadien leer geblieben, und vor Saisonstart haben sich die aktiven Fußballfans mit großem Knall aus dem für sie unbefriedigenden Dialog mit dem DFB verabschiedet. Vielerorts gibt es zudem Unmut über steigende Eintrittspreise und Dauerkommerzialisierung. Andererseits vermeldet Pay-TV-Anbieter Sky steigende Zuschauerzahlen, was angesichts des hohen Anteils der Einnahmen aus Fernsehrechten wichtig für die Liga ist.  

Das könnte mit dem nicht annähernd erklärten Phänomen zu tun haben, dass viele Klubs ihr lokales oder regionales Potenzial stärker ausschöpfen als früher. Bundesweit mögen sich wenig Leute etwa für den VfB Stuttgart oder Werder Bremen interessieren, aber regional boomen die Klubs. Die Schwaben haben inzwischen erstaunliche 60.000 Mitglieder, und Werder hat trotz durchwachsener Leistungen in den letzten Jahren wieder 25.000 Jahreskarten verkauft. Ohne Verkaufsstopp hätten es sogar deutlich mehr sein können. Das gilt vielerorts, die Bundesliga dürfte wieder die Zahl von 470.000 Jahreskarten erreichen. Auch in der 2. Liga wurden 170.000 Dauerkarten verkauft und 60.000 selbst in der 3. Liga. Und vielleicht ist das die wahre Erfolgsgeschichte des deutschen Fußballs: Die Spitze mag schmal und zunehmend schwach sein, aber dafür geht es vielen anderen eigentlich ziemlich gut.