Das volle Programm zur WM in Russland
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Was von der Finalnacht übrig bleibt

Das Warsdannja

Die WM ist vorbei, doch das Finale wirkt noch nach. Umbenannte U-Bahn Stationen, vorschnelle Engländer und jede Menge geklauter Champagner. Geschichten, die nur die WM schreibt.

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Metro-chic

Bei »Victor Hugo Lloris« einsteigen, ein paar Minuten warten und schon ist man beim zweiten Stern. Über Nacht benannte die Pariser U-Bahn zu Ehren der Weltmeister zeitweise sechs Stationen um. So wird die Station Victor Hugo, benannt nach dem französischen Romantiker, die Station Victor Hugo Lloris, benannt nach dem Torwart, der, trotz dadaistischer Dribblings, Weltmeister geworden ist. Aus »Charles de Gaulle – Etoile« wird »On a 2 Étoiles«, also auf zum zweiten Stern, aus »Bercy« wird »Bercy Les Bleus«, ein Wortspiel zum Dank an die Weltmeister-Mannschaft. Trainer Didier Deschamps wird gleich zwei Mal geehrt: Um an der Pariser Prachtstraße zu lustwandeln, nehmen Paris-Touristen die Linie 13 bis » Deschamps Élysées - Clémenceau", danach können sie direkt weiter zu »Notre Didier Deschamps«, um die Heimat des berühmtesten Glöckners der Welt zu sehen (Vorsicht: Gemeint sind weder Harald, noch Kenneth Glöckler, die schreibt man mit L). Die Station Avron heißt simpel: »Nous Avron Gagné«; wir haben gewonnen. Nach der WM wollen die Franzosen nun offenbar auch den renommierten Titel: »Hauptstadt mit dem wortspielbegeistertsten Verkehrsunternehmen der Welt« von Deutschland nach Frankreich holen.

Warum so schüchtern?

Weit weniger ausgelassen als die Pariser Metro feierte N’Golo Kanté. Der Franzose war ohne Frage einer der besten Spieler des Turniers, fiel aber nach dem Schlusspfiff vor allen Dingen durch Bescheidenheit auf. Als seine Mitspieler sich gegenseitig den Pokal aus der Hand rissen, um mit ihm vor den Fotografen zu posieren, stand Kanté etwas abseits der Gruppe und lachte verlegen. Der schüchterne Mittelfeldspieler traute sich nicht nach dem WM-Pokal zu fragen und wartete, während sich immer wieder Spieler in der imaginären Reihenfolge vordrängelten. Erst als Kantés Freund Steven N’Zonzi einschritt, den Pokal an sich riss und ihn Kanté in die Hand drückte, durfte er sein wohlverdientes Fotos schießen lassen. Später, im Mannschaftsbus, war es ihm sichtlich unangenehm, als seine Mitspieler » Oooooh N’Golo Kanté« grölten, auf die Melodie des französischen Schlagers »Les Champs-Élysées«. Kanté schaute dabei wie ein 14-jähriger Teenager, dessen Mutter auf der Geburtstagsparty vor allen Freunden »Heute kann es regnen, stürmen oder schneien... « anstimmt.

Football’s staying home... 

Bis zur 109. Minute des WM-Halbfinales war ganz England in Euphorie. Kaum einer konnte sich vorstellen, dass der goldene Pokal nicht zurück nach Hause kommt. Allerlei furchtbare Frisuren und Sieger-Tattoos, die man irgendwann seinen Kindern mit »Das wirst du verstehen, wenn England mal wieder im WM-Achtelfinale steht« erklärt, gingen schon um die Welt. Doch das sind nicht die einzigen Auswüchse der etwas verfrühten englischen Siegesgewissheit. Auch der Arbeitsmarkt wird durch sie beeinträchtigt, denn übermäßig viele Engländer haben sich an diesem Montag freigenommen. Ein Wettanbieter hatte eine Petition gestartet, den Montag zum nationalen Feiertag zu erklären. Geplant war wohl, nach den überschwänglichen Siegesfeiern verantwortungsbewusst zuhause auszukatern. Jetzt können sie sich wenigstens in Ruhe den Freundschaftsspielkracher Halmstads BK gegen Crystal Palace anschauen.