Was von der Absage der China-Testspiele zu halten ist

Jetzt hör(t) aber auf!

Der DFB hat drei Testspiele gegen die chinesische U20 ausgesetzt. Der Schritt ist nicht nur ein herber Schlag für den Verband, sondern auch ein deutliches Zeichen, wie Protest funktionieren kann.

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90 Minuten - mit Unterbrechung - hat die Stippvisite der chinesischen Olympiamannschaft auf deutschen Fußballplätzen der Regionalliga Südwest bisher gedauert. Und es ist davon auszugehen, dass nicht allzu viel Zeit hinzukommen wird. Denn der DFB hat die kommenden drei Freundschaftsspiele in Frankfurt, Sinsheim und Worms ausgesetzt. Erst 2018 soll es voraussichtlich weitergehen.

 

Der Grund: fehlende Unterstützung. »Zum Bedauern aller beteiligten Parteien hat das Projekt nicht die erwartete breite Zustimmung erhalten«, schreibt der DFB in einer Mitteilung. Ach was, will man ausrufen, jetzt hör’ aber auf. Was für eine Überraschung!

 

Der DFB wollte von Kommunikation nichts hören

 

Nein, dass die Testspielreihe auf wenig Gegenliebe stoßen wird, das weiß jeder, der sich in den vergangenen Monaten in der Regionalliga Südwest umgehört hat. Allein der DFB wollte davon nichts wissen, wollte nicht hineinhören. Ein Treffen mit engagierten Fanvertretern sagte der Verband in diesem Monat kurzerhand mit der Begründung ab, dass neutrale Journalisten als Beobachter nicht akzeptabel seien. Die Chance, mit den Beteiligten ins Gespräch zu kommen, verpasste der DFB.

 

Dass die Freundschaftsspiele nun ausgesetzt werden, hat aber weniger mit der fehlenden Unterstützung zu tun, sondern mit der Form des Protests. Weil tibetische Demonstranten während des ersten Spiels in Mainz ihre Fahne hissten, weigerten sich die Chinesischen weiterzuspielen. Fans vieler Vereine hätten die Idee in den kommenden Wochen wohl plagiiert und für weitere Spielunterbrechungen und -abbrüche gesorgt.

 

Das falsche Narrativ

 

Der DFB sagt, es gebe »substanzielle Hinweise auf weitere Eskalationen«. Das ist ärgerlich, fast dramatisch, denn es eskalierte vorerst nichts. Im Gegenteil: Es war ein stiller Protest, der gerade deshalb über ordentlich Lautstärke verfügte. Der Fall zeigt, dass Protest im deutschen Fußball noch funktioniert. Vor allem dann, wenn er friedlich ist. Für die Eskalation sorgte die chinesische Mannschaft, als sie sich weigerte weiterzuspielen. Durch die Formulierung übernimmt DFB gar das Narrativ, die falsche Deutung, der chinesischen Vertreter.

 

Verlierer gibt es auf allen Seiten. 40 chinesische Fußballer, die über Wochen tausende Kilometer von ihrer Heimat entfernt trainiert haben, können ungesehen wieder abreisen. Und, sollten die Tests nicht nur ausgesetzt, sondern - wie sich bereits abzeichnet - auch endgültig abgesagt werden, warten die Vereine auf versprochene 7.500 Euro Antrittsprämie. Geld, mit denen manch einer schon gerechnet hat.

 

Auf die Knochen blamiert

 

Der DFB hat sich jedenfalls mit dem Plan und einer einzigartig sturen Umsetzung ohne Einbezug von Fans und Vereinen bis auf die Knochen blamiert.