Was von den Isländern bei der WM zu erwarten ist

Kein normaler Underdog

In Russland wollen die Isländer die Serie ihrer Sensationserfolge fortsetzen. Ihr Trainer könnte nach dem Turnier in Deutschland landen.

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Dass Island die Rolle der Kuriosität des Weltfußballs noch immer nicht los ist, hätte Islands Nationaltrainer Heimir Hallgrímsson bereits wenige Minuten vor Beginn der Pressekonferenz zum Spiel gegen Argentinien erfahren können. Da versuchte ein argentinischer Journalist die versammelten Kollegen aus aller Welt zu einem kollektiven »Húh!« anzustiften, was sogar gelang - zumindest mit bescheidener Beteiligung.

So ähnlich ging es dann weiter, als Hallgrímsson da war und direkt um eine Erklärung des isländischen Wunders gebeten wurde. »Es ist kein Wunder, dass wir hier sind, sondern das Ergebnis guter Arbeit«, sagte er charmant lächelnd. Aber auch leicht genervt.

»Das gehört weiter zu unserer Identität«

Wie diese Arbeit aussah, hatte man Anfang des Jahres auf einer internationalen Konferenz des DFB in Frankfurt erleben können, bei der es um die Zukunft der Spielanalyse ging. Jeden freien Moment schaute der isländische Coach damals gemeinsam mit einem kleinen Franzosen Spielszenen auf einem Laptop an, genauer gesagt: Standardsituationen.

Nicolas Jover ist einer von nur zwei festangestellten Trainern in Europa, die darauf spezialisiert sind, mit ihren Mannschaften Eckbälle und Freistöße einzuüben. Er arbeitet beim Londoner Zweitligisten FC Brentford, tauscht sich aber regelmäßig mit dem isländischen Nationalcoach aus. Die beiden hatten sich vor einigen Jahren kennengelernt, als Hallgrímsson noch Assistent des Schweden Lars Lagerbäck und für die Standards zuständig war.

Die Erfolgsgeschichte der Isländer wäre ohne eine außergewöhnliche hohe Zahl von Tore nach Ecken und Freistößen nicht möglich gewesen. »Das gehört weiter zu unserer Identität«, bestätigte Hallgrímsson in Moskau. Auch dadurch qualifizierten sich die Isländer für die Europameisterschaft in Frankreich, schlugen dort sogar England und schafften es sensationell ins Viertelfinale.