Das volle Programm zur WM in Russland
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Was uns Fußballer nach Spielschluss eigentlich sagen wollen

Floskel sich, wer kann

Die Zeit der Weltmeisterschaft ist nicht nur eine freudige, sondern auch eine voller Floskeln und Binsenweisheiten. Aber was genau wollen uns die Sportler mit Sätzen wie »Das ist Fußball!« eigentlich sagen?

imago

Ja gut, äh. Seinen Empfindungen den richtigen Ausdruck zu verleihen, ist oft komplizierter als die Empfindung selbst. Kennt man ja zum Beispiel rund um alle Gespräche, die das Essen betreffen. Ob es nun schmeckt oder nicht, lässt sich zumeist ja noch mit relativer Bestimmtheit sagen. Aber wie? Und dann mäandern die Menschen zwischen hilflosen Stanzen („Lecker!“) und noch hilfloseren Schwurbeleien (»Also diese erdige Note im Abgang, und erst das gaumige Cassis-Küsschen im Hernach. Wirklich toll, der Quark!«).

Floskel-Roboter

Und weil der Fußball nichts anderes ist als ein Spiegel des Lebens und jeder menschlichen Regung, macht auch er nicht Halt vor dem Nichts des Allessagenden. Besonders augenscheinlich wird das in den Interviews direkt nach Spielschluss. Da stehen sie, die abgekämpften Stellvertreter massenhafter Erwartungen und Träume. Eben noch haben sie sich für ihren Verein, für ihr Land die Lunge aus dem Leib gerannt, jetzt sollen sie schon im nächsten Augenblick zur Lage der (Fußball-)Nation sprechen. Nur verständlich, dass sie dabei zu Floskel-Robotern werden.

»Es war das erwartet schwere Spiel«, sagen sie dann. Was so viel heißt wie: »Wir hatten schon gedacht, dass wir die wegfideln, aber was kann ich dafür, wenn mein Mitspieler lieber die Sonne grüßt, als zu grätschen?!« Auch gern genommen: »Das ist Fußball.« Was zunächst immer stimmt. Also sofern man sich über Fußball unterhält. Was aber wiederum vor allem so viel heißt wie: »Keine Ahnung, was da gerade passiert ist.« Etwas dezidierter ist da schon: »Ich habe gute Ansätze gesehen.« Ein Satz für feinfühlige Psychologen, die nach dem 0:4 gegen den krassen Außenseiter nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer gießen wollen. Besonders souveräne Phrasendrescher machen übrigens weder vor den Mikrofonen noch der Logik halt.

So wie der Schweizer Nationalspieler Haris Seferovic, der einst und in Diensten von Eintracht Frankfurt auf eine Einstiegsfrage antwortete: »Wie gesagt ...« Immer zu empfehlen ist der positive Ausblick. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Hat schon immer gut geklappt, die Losung. Nicht nur, weil das nächste Spiel immer das schwerste ist, sondern vor allem auch, da sich die verdammte Klatsche gegen Absurdistan nun eh nicht mehr ändern lässt.

Kein Vorwurf

»Wir werden das Spiel in aller Ruhe analysieren und dann die entsprechenden Lehren daraus ziehen.« Was in der Übersetzung Fußball-Wahrheit bedeutet: »Wahrscheinlich spielen wir dann mit sechs Neuen in der Startelf. Mal sehen, ob das was bringt.« Bringt auch das nichts ein, hilft nur noch die öffentliche Abbitte: »Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen!« Sich selbst natürlich auch nicht, oder doch? Oder doch der Mannschaft? Aber denen muss ich morgen schon wieder unter die Augen treten. Und ist doch ohnehin egal jetzt, das Kind ist nun mal in den Brunnen gefallen. Mal verliert man, mal gewinnen die anderen. Glaubt ihr nicht? Dann schau'n mer mal, dann sehen wir schon.