Was Toni Kroos von den anderen Stars dieses Turniers unterscheidet

Diesmal hängt es von ihm ab

Dass der Trainer öffentlich darüber klagte, Messi habe eine WhatsApp-Nachricht zwar gelesen, aber nicht beantwortet, klang wie die am Nebentisch aufgeschnappte Klage über eine abgerockte Beziehung. Der beste Spieler der Welt war passenderweise ein Schatten seiner selbst. Oft sah es aber so aus, als würden die Domestiken ihm einfach mit besten Wünschen den Ball zuspielen: »So, jetzt mach mal ein Wunder!«

Vielleicht hätte Messi darauf so reagieren sollen wie Robert Lewandowski, der nach dem unverhofft frühen Ausscheiden der Polen zu dem schlichten Schluss kam, dass er zwar gut war, aber seine Mitspieler Mist. Auch Neymar wäre solchem Egoismus zweifellos aufgeschlossen, ist der Brasilianer doch der überspannteste Spieler dieser Weltmeisterschaft.

Diesmal hängt es von ihm ab

Seine Wunderwelt als Fußball-Diva spielt sich zwischen seltsamen Extremen ab, zwischen Tränenausbrüchen auf dem Platz und dem Haarstyling durch seinen Friseur, den er eigens aus Brasilien einfliegen lässt. Außerdem kultiviert er auf dem Platz eine Fallsucht, die sogar in der Heimat die Comedy-Produktion florieren lässt.

Star zu sein, muss man eben nicht nur wollen, sondern auch können. Selbst Cristiano Ronaldo beginnt unter dem selbstauferlegten Druck zu ächzen, seinem Größenselbst fortwährend entsprechen zu wollen. In den ersten beiden Spielen der Portugiesen schoss er zwar vier Tore, im dritten hätte er aber bei etwas bösem Willen vom Platz gestellt werden können, zudem vergab er einen Elfmeter. Portugal verpasste so den Gruppensieg und hat nun den deutlich schwereren Weg durchs Turnier erwischt.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Sein Real-Mannschaftskamerad Toni Kroos ist der Superstar-Neurosen weitgehend unverdächtig. Aber vielleicht gehört es einfach zu seiner Klasse, dass er erkannt hat: Diesmal hängt es von ihm ab.