Das volle Programm zur WM in Russland
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Was Toni Kroos von den anderen Stars dieses Turniers unterscheidet

Der Vorarbeiter

Toni Kroos steht bei dieser WM so sehr im Fokus wie noch nie in seiner Karriere. Die DFB-Elf ist innerhalb von ein paar Monaten zu seiner Mannschaft geworden. Kann er mit diesem Druck besser umgehen als andere Stars?

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Vor gut zehn Tagen, das WM-Turnier hatte noch nicht begonnen, saß Toni Kroos im deutschen Camp in Watutinki auf der Bühne. Bemerkenswert daran war, dass er quasi um diesen Auftritt im Rahmen der Pressekonferenz gebeten hatte. Sonst gilt Kroos auch im Kreis der Nationalmannschaft als leicht einzelgängerisch und nicht sonderlich mitteilsam. Interviewwünschen begegnete er in der Vergangenheit eher mit einem »Ach, lass mal«, als dass er sich freiwillig dazu meldete. Was ihn genau dazu antrieb, darüber kann man nur spekulieren. Aber vielleicht ahnte er damals schon, was bei dieser WM überdeutlich geworden ist: Kroos ist der wichtigste deutsche Spieler. Spielt Kroos gut, spielt Deutschland gut. Leider gilt das auch umgekehrt.

Wie so vieles, was bei dieser Weltmeisterschaft zu Tage getreten ist, war auch das in dieser Form nicht zu erwarten. Noch vor drei Monaten galt Deutschland als Team, das derart mit Weltklassespielern gesegnet ist, dass so was wie Startum keine Rolle mehr spielt. Inzwischen hat man jedoch das Gefühl, dass jeder Spieler irgendwie zu ersetzen ist, nur Kroos nicht.

Salah, Sané, Sigurdsson – Kroos?

Man erkennt das auch daran, mit wie viel Verve darüber debattiert wird, wer ihm im Mittelfeld am besten assistiert. Wie Netzer einst seinen Wimmer hatte, braucht Kroos seinen Rudy, Gündogan oder Khedira, der sich wahrscheinlich am meisten wundert, auf einmal daran gemessen zu werden, wie gut er als Domestike des Stars funktioniert. Wo Khedira sich doch selbst als einer sieht.

Im modernen Fußball ist das Domestikenwesen im Prinzip abgeschafft, aufgelöst in einer arbeitsteilig verwobenen Spielidee. Doch bei der Weltmeisterschaft kehrt es wenig überraschend zurück. Es gibt eben Mannschaften, deren bester Spieler so viel besser ist als der Rest, wie man das im Ligafußball nicht erlebt. Man denke nur an den Ägypter Mo Salah, seinen Liverpooler Mannschaftskameraden Sadio Mané im senegalesischen Team und Gylfi Sigurdsson bei Island.

Diese drei haben sich brav in den Dienst ihrer Mannschaft gestellt. Das argentinische Team hingegen ist ein gescheiterter Versuch, die Hilfsarbeitertruppe für Lionel Messi zu geben. Oder auch nicht, denn Trainer Jorge Sampaoli ließ die Mannschaft nicht in Messis Wunschformation spielen. Inzwischen bräuchten die beiden vielleicht auch deshalb einen Paartherapeuten.