Was steckt hinter Slavia Prags Transferoffensive?

Ungelenkte Raketen

Halil Altintop, Danny, Ruslan Rotan: Slavia Prag rüstet auf für die Champions League. Seit dem Einstieg einer chinesischen Firma gibt es Auftritte in Luxushotels und opulente Partys.

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Der folgende Artikel ist ein Gastbeitrag von Michal Petrák, er arbeitet als Redakteur für »iSport.cz«.

»Star Wars«, so titelte die Tageszeitung »Sport« am 27. Juni. Der Grund: Slavia hatte tatsächlich an einem Tag drei Spieler mit Rang und Namen unter Vertrag genommen. Danny, der ehemalige Kapitän von Zenit St. Petersburg und UEFA-Superpokal-Gewinner. Dazu Halil Altintop mit mehr als 350 Spielen in der Bundesliga. Und Ruslan Rotan, der die Kapitänsbinde von Dnipro Dnipropetrovsk und der ukrainischen Nationalmannschaft trug. Spieler mit solch internationaler Erfahrung liefen bisher kaum in der tschechischen Liga auf - bis auf jene tschechischen Altinternationalen, die ihre Karriere in der Heimat ausklingen ließen.

Slavias Vorgehen ist ein überdeutliches Zeichen an die Konkurrenz, dass sich der tschechische Meister von 2017 nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen will. Dieses Trio ist zugleich eine Antwort auf die großen Transferaktivitäten, die sich Dauer-Konkurrent Sparta zur gleichen Zeit leistet. Der andere populäre Prager RKlub hat mit Marc Janko schon einen österreichischen und mit Tal Ben Chaim einen israelischen Nationalspieler an Land gezogen – unter anderen.

Warum investieren die Tschechen plötzlich so hektisch?

Es ist fast sicher, dass der nächste tschechische Meister direkt in die Champions League-Gruppenphase einziehen wird – und dies bedeutete in letzter Saison Einnahmen von mindestens 12,7 Millionen Euro. Selbst für die reichsten tschechischen Klubs Sparta und Slavia deckt solch eine Summe fast das komplette Jahresbudget.

Dieser Anreiz und die vielen – für tschechische Verhältnisse – großen Namen wecken unter Fans und Fußball-Interessierten in Tschechien bereits große Vorfreude auf die kommende Liga-Saison. Auf sie wirkt die Sommer-Pause wie einst das »Space Race« zwischen den USA und der Sowjetunion: Sparta schickt den ersten Mann ins Universum, deshalb will Slavia unbedingt als Erster den Mond betreten.

Der Verteidigungsminister und die Chinesen

Tatsächlich müssen Slavias Anhängern schon die letzten beiden Jahre wie ein Raketenflug ins Weltall vorgekommen sein. Dass der Klub jetzt überhaupt an die Champions League denken kann, grenzt an ein kleines Wunder. Im September 2015 stand Slavia noch knapp vor einem Insolvenzverfahren und sogar vor dem Bankrott. Plötzlich erschienen jedoch zwei Männer, die die Traditionsmarke des tschechischen Fußballes retteten: Jiří Šimáně, ein erfolgreicher Geschäftsmann, Slavia-Fan und Sponsor, sowie völlig unerwartet Jaroslav Tvrdík, der ehemalige Verteidigungsminister des Landes.

Er gilt als ebenso umtriebige wie umstrittene Figur in der heimischen Politik. Tvrdík war Wahlmanager der Sozialdemokratischen Partei ČSSD und Manager der tschechischen Fluglinie ČSA (Czech Airlines) und verantwortete in seinen Funktionen teure Fehlschläge. Mit Fußball hatte er jedoch niemals zuvor zu tun. Nun hat er anscheinend seinen Platz in der Welt gefunden: als Lobbyist mit Verbindungen zum chinesischen Energiekonzern CEFC. Im Jahr 2015 startete diese Shanghaier Gesellschaft eine wirtschaftliche Offensive in Ostmitteleuropa, bei Finanzgruppen in der Slowakei, einer Brauerei und einer Fluggesellschaft in Tschechien.

Klub als Prestigeobjekt

»Als wir dieses Geschäft abschlossen, schlug ich Herrn Tvrdík vor, dass CEFC auch einen der größten Fußballvereine Tschechiens retten könnte«, erzählte Šimáně auf der ersten Pressekonferenz, bei der er als neuer Präsident von Slavia und Besitzer von knapp 40 Prozent der Klubaktien auftrat. »Dafür bedurfte es nur eines Telefonats nach China«, sagte der neue starke Mann von Slavia.

CEFC wurde Mehrheitsaktionär mit knapp 60 Prozent und Slavia war auf einen Schlag gesichert – schuldenfrei, mit ausreichend Finanzen, um den Kader zu verbessern, mit guten Perspektiven für die Zukunft und dem festen Willen, das Chaos mit wechselnden Besitzern rund ums Slavia-Stadion Eden zu beenden. Doch der Frieden hielt nicht lange.