Was sich zum Auftakt bei der Nationalmannschaft verändert hat

Keine Experimente und ein altes Problem

3. Gegenpressing als Spielmacher

Gegen Frankreich konzentrierte sich die deutsche Mannschaft auf das Verschieben im Raum. Gegen Peru kam eine weitere Facette des neuen Defensivstils hinzu: Die deutsche Mannschaft setzte nach Ballverlusten aggressiv nach, rückte sofort auf den Gegner. Die besten Chancen hatte das deutsche Team, sobald sie den Ball weit in der gegnerischen Hälfte nach einem Fehlpass sofort wiedereroberten. Mehr Klopp, weniger tiki taka: Das scheint der Weg zu sein, den Löw gehen will.

4. Die Zeit der Experimente ist erst einmal vorbei

In Freundschaftsspielen testete Löw in den vergangenen Jahren wild Personal und taktische Varianten – zu wild, wie manche Kritiker meinen. Gegen Peru war daher die große Überraschung, dass Löw im Vergleich zum Frankreich-Spiel nur sehr wenig änderte.

Er hielt am 4-1-4-1-System fest, tauschte im Vergleich zum Frankreich-Spiel nur drei Feldspieler aus. Auch taktisch ähnelte die Herangehensweise des deutschen Teams in beiden Spielen. Gut möglich, dass Löw nach den misslungenen Experimenten im Vorfeld der WM 2018 nun erst einmal seinen Plan A perfektionieren will, ehe er Plan B bis Z einführt.

5. Die deutschen Tugenden sind zurück

Nicht nur auf dem Platz drehte sich alles um die Arbeit gegen den Ball. Auch in den Interviews nach den Spielen fokussierte sich Löw auf diesen Aspekt. Er lobte vor allem den Einsatz und den Willen seiner Mannschaft. Der Mann, der jahrelang Deutschland zum schönen Spiel erziehen wollte, begeistert sich plötzlich an den alten deutschen Tugenden Einsatz und Leidenschaft – hört, hört!

Die Spiele gegen Frankreich und Peru zeigten aber die Limitierungen des neuen Stils: Der Spielaufbau, in den vergangenen Jahren Deutschlands Stärke, ist plötzlich eine Schwachstelle. Gegen Frankreich kam Deutschland erst zu Chancen, nachdem die Franzosen körperlich am Ende waren; in den ersten sechzig Minuten zuvor erarbeitete sich das deutsche Team gerade einmal eine Torgelegenheit aus dem Spiel. Gegen Peru wiederum entstanden fast alle Chancen nach Balleroberungen.

Beide Spiele haben gezeigt, wieso ein starkes Ballbesitzspiel weiter wichtig bleibt für den DFB: Selbst Weltmeister Frankreich zog sich über weite Teile des Spiels zurück. Spätestens in der EM-Qualifikation werden wieder Lösungen gefragt sein gegen derart defensiv auftretende Teams – und diese Lösungen lassen sich schwer umsetzen, wenn sich nur drei oder vier Spieler vor dem Ball positionieren.

Der neue, defensivere Stil der DFB-Elf eignet sich auf kurze Zeit, um Mannschaft und Kritiker nach dem WM-Debakel wieder zu versöhnen. Man kann dem DFB und seiner Nationalmannschaft vieles vorwerfen – mangelnder Einsatz gegen Frankreich und Peru gehört nicht dazu. Auf lange Sicht wird Löw aber alte und neue Facetten verschmelzen müssen. Sonst scheitert der Neuanfang an jenem Problem, das die DFB-Elf schon bei der WM plagte: ihre offensive Harmlosigkeit.