Was passiert, wenn 50+1 fällt

Hektik im Spielzeugladen

Was passiert, wenn 50+1 fällt? Ein Blick nach England zeigt: Die Investoren kommen aus aller Welt – und die Klubs werden zu reinen Spekulationsobjekten

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Nicht nur Martin Kind kann die 50+1-Regel so leiden wie Pierre-Emerick Aubameyang das Vormittagstraining. Immer mehr Journalisten versteigen sich zu der Feststellung, dass mit dem Ende der Regel endlich all die heimischen Investoren ihren Klub nach oben bringen könnten. Gewissenhafte Kaufleute, die schon ewig für ihren Verein schwärmen und neue Spannung in der Liga herstellen. Wie das genau abläuft, lässt sich sehr schön in Großbritannien ablesen. 

Satte 13 Klubs befinden sich in der Hand von ausländischen Besitzern. Bei Swansea ist man da auf Nummer sicher gegangen, hier können mal eben 27 Personen Anteile vorweisen, unter anderem der ehemalige US-Nationalspieler Landon Donovan. Bei Watford walten derweil auch richtige Klubliebhaber: Als Eigentümer ist der Italiener Gino Pozzo registriert. Der erbte die Hornets von seinem Vater Giampaolo Pozzo, der gleichzeitig Anteile an Udinese Calcio und dem FC Granada hielt und bei den vielen Transfers zwischen den drei Vereinen ganz durcheinander kam. Wo die Liebe nun einmal hinfällt. 

Das Gleiche gilt für den Amerikaner Matthew Hulsizer, der im Jahr 2015 alles daran setzte, den FC Reading zu übernehmen. Das klappte zwar nicht, aber Hulsizer hatte keine Manschetten, flugs in den AFC Bournemouth zu investieren. Dort teilt er sich die Anteile mit einer Holding aus Russland. Der Iraner Farhad Moshiri stieg zunächst bei Arsenal ein, um es dann bei Everton zu versuchen. Beim FC Arsenal teilen sich Stanley Kroenke aus den USA und Alischer Usmanow aus Russland 97 Prozent der Anteile. Wenn Jürgen Klopp beim FC Liverpool frisches Geld braucht, führt ihn der Weg zum Amerikaner John W. Henry. Der blätterte 342 Millionen Euro hin, damit Liverpool neben den Baseballern der Boston Red Sox und den Zeitungsmachern des »Boston Globe« auf sein Wort hört. 

Unvergessen auf der Insel ist der Fall Portsmouth: 2011 verkaufte ein französisch-israelischer Geschäftsmann den Klub für ein Pfund an einen Partner aus Dubai, der ihn wiederum nach 43 Tagen an eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln veräußerte. Zunächst übernahm ein Geschäftsmann aus Saudi-Arabien, danach einer aus Hongkong. Vier Besitzer in einer Saison – der Klub stürzte in die Insolvenz und die vierte Liga. Spannung haben die Investoren geschaffen, das stimmt.