Was macht eigentlich Tomas Rosicky?

Verglühen wie Mozart

Als Arsenals Neuzugang Andrej Arschawin vier Tore gegen Liverpool schoss, dürfte es einen Mann innerlich zerrissen haben: Tomas Rosicky. Seit 15 Monaten hindert ihn eine seltsame Verletzung am Spielen. Wird er je zurückkehren? Was macht eigentlich Tomas Rosicky?Imago Es ist ruhig geworden um Tomas Rosicky. Während der FC Arsenal von Spektakel zu Spektakel eilt, seit nun 19 Premier League-Spielen ungeschlagen ist und den Einzug ins Finale der europäischen Königsklasse anstrebt, kann der Tscheche nur zuschauen.

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Am 26. Januar 2008 stand Rosicky letztmals für die »Gunners« auf dem Platz. Im Kalender sind dies zwar nur 15 Monate; im Fußball allerdings, wo heute nicht mehr gilt, was gestern noch die Regel war, ist dies eine Ewigkeit. Am 26. Januar 2008 war Hansa Rostock noch Erstligist, Jens Lehmann noch Nationalspieler und Otto Rehagels Griechen amtierender Europameister. Immerhin hieß »Twix« auch damals schon »Twix«.

»Keine ernste, aber eine seltsame Verletzung«

An diesem Tage trat der FC Arsenal im Rahmen des FA-Cups gegen Newcastle United an. Wenige Minuten waren erst gespielt, als Rosicky verletzt vom Platz musste. Infolge eines Tritts gegen sein linkes Knie sprang dort eine Sehne heraus. Oft passiert dies nicht, auch Arsenal-Coach Wenger klang ob dieser Diagnose überrascht und meinte, dies sei zwar »keine ernste, aber eine seltsame Verletzung.« Die Ärzte schienen die Tragweite dieser Verletzung ebenfalls unterschätzt zu haben, behandelten Rosicky konservativ und verzichteten auf eine Operation, damit der ehemalige Dortmunder pünktlich zur Europameisterschaft wieder fit sein konnte. Besserung trat allerdings nicht ein, und so kam es im Mai doch zur eigentlich ungeplanten OP. Die EM-Teilnahme war damit futsch – viel schlimmer aber war, dass es trotzdem nicht besser wurde und »Schnitzel« im November ein weiteres Mal unters Messer musste.

Seitdem läuft die Reha, ständig begleitet von Gerüchten um ein mögliche Sportinvalidität. Rosicky brennt auf sein Comeback, muss seine Rückkehr auf den Platz aber ständig verschieben. Eine Situation, die den Mittelfeldspieler extrem belastet. Entsprechend bezeichnet er seine Leidenszeit als die »schwierigste Phase meiner Karriere«. Die tschechische Presse ließ es sich nicht nehmen und konstruierte Vergleiche mit Mozart: »Lasst uns hoffen, dass die Laufbahn des kleinen Mozarts nicht die des Komponisten widerspiegelt: spektakulär, aber kurz« schrieb die Tageszeitung »Mlada Fronta Dnes«.

Liebend gern würde Arsene Wenger auf Rosicky zurückgreifen können, um seiner juvenilen Edeltruppe einen reifen Akteur zur Seite zu stellen. Gerade jetzt, in der entscheidenen Phase der Saison, braucht Arsenal dringend Erfahrung auf dem Platz; Spieler, die in der Lage sind, die überschäumende Spielfreude der hochtalentierten Mannschaft in die richtigen Bahnen zu lenken. Spieler, die es zu verhindern wissen, abgezockten Truppen ins offene Messer zu laufen. Spieler wie Tomas Rosicky.

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