Was macht eigentlich Paulo Rink?

Parlament statt Stadion

Danach wurde es erst einmal still um den ersten Brasilianer in der deutschen Nationalmannschaft. Rink ließ sich nach dem Karriereende in Curitiba nieder. »Ich wollte nicht nach Rio de Janeiro oder Sao Paulo. Curitiba ist meine Heimat. Hier habe ich meine Wurzeln, hier fühle ich mich zu Hause, und hier habe ich Freunde und Familie«, sagte er der Rheinischen Post. Mittlerweile ist Paulo Rink aber zurück im Rampenlicht.

2012 wurde er bei den Kommunalwahlen in seiner Heimatstadt mit gutem Ergebnis für die linke Partido Popular Socialista ins Kommunalparlament gewählt. Seitdem ist er Ratsherr von Curitiba und in den Ausschüssen für Wirtschaft, Finanzen und Steuern sowie Stadtplanung vertreten. Im Rahmen der Weltmeisterschaft 2014 war er ebenfalls Vorsitzender des Sonderausschusses für die WM-Organisation in Curitiba und musste nach Protesten wegen traditionell explodierender Kosten beim Stadionbau zwischen Bürgern, Fifa und Kommunalregierung vermitteln.

Gegen alle Stereotype

Scheinbar mit Erfolg: 2016 wurde er für eine zweite Amtszeit wiedergewählt und widmet sich weiter seinem Herzensprojekt, der Modernisierung und Vergünstigung des öffentlichen Nahverkehrs. Außerdem konzentriert er sich in seiner Position, wer hätte es gedacht, auf Sport- und Gesundheitsförderung. Seit mehreren Jahren ist er auch Botschafter des »Tore für das Leben«-Programms unter Schirmherrschaft Pelés, das die Erforschung von Heilmitteln für Kinderkrankheiten unterstützt.

Nebenbei hat er einen Betrieb aufgebaut, der sich auf das Drucken von Flyern und Visitenkarten spezialisiert, und mit der Escola Furacão Paulo Rink seine eigene Fußballschule gegründet, die zu einer größeren gemeinnützigen Stiftung gehört. Zu guter Letzt wurde auch noch die Copa Paulo Rink nach ihm benannt, ein Benefiz-Jugendturnier, das 2009 zum ersten Mal in Kooperation mit Athletico Paranarense ausgerichtet wurde. Die Einnahmen werden Opfern von Naturkatastrophen gespendet.

In Curitiba nennen sie Rink immer noch »den Deutschen«, zum Halbfinale 2014 saß er mit DFB-Trikot im Stadion in Belo Horizonte. »Als Deutschland gewonnen hat, war das für mich ein super Gefühl«, zitierte ihn Sport1. Als brasilianischster Deutscher und deutschester Brasilianer hat Paulo Rink eigenhändig die Jahrzehnte alten Stereotype in die Tonne getreten.