Was macht eigentlich Paulo Rink?

Stereo-Type

Paulo Rink war der deutscheste Brasilianer, den der DFB hätte einbürgern können. Die Karriere nach der Karriere verläuft mindestens ebenso untypisch. 

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Die taktisch disziplinierten, aufopferungsvoll kämpfenden Deutschen und die technisch überragenden, leichtfüßig tricksenden Brasilianer – zwei Stereotype, die die Fußballgeschichte und ihre globale Wahrnehmung über Jahrzehnte hinweg geprägt haben. Selbst das 7:1 im Halbfinale der WM 2014 konnte sie nicht endgültig überwinden. 

2002 waren die Unterschiede noch deutlicher, als die beiden Mannschaften sich im WM-Finale gegenüberstanden. Und weitere vier Jahre zuvor, bei der Weltmeisterschaft in Frankreich, war der Unterschied noch größer. Brasilien konnte erst im Endspiel von den Gastgebern gestoppt werden, Deutschland flog nach einer insgesamt schwachen Turnierleistung im Viertelfinale raus.

Bei der EM 2000 sollte wieder alles besser werden. Die DFB-Elf brauchte Flair, sollte Spaß machen, ein bisschen zaubern. Kurzum: Sie musste brasilianisiert werden. Dass der DFB dafür den unbrasilianischsten – ergo: deutschesten – Brasilianer aller Zeiten auswählte, kann bis heute niemand so wirklich erklären. Wahrscheinlich um es irgendwie glaubwürdig zu machen, denn nach der WM ’98 nahm Paulo Rink die deutsche Staatsbürgerschaft an.

Höhepunkt Hackentor

Der konnte eingebürgert werden, weil sein Urgroßvater 94 Jahre zuvor von Heidelberg nach Brasilien ausgewandert war. Dessen Gene waren es vermutlich auch, die Rinks Skillset dominierten. In Curitiba geboren, begann er seine Profikarriere im Alter von 18 Jahren bei Atlético Mineiro und musste schon in der Jugend häufig ins Tor, weil ihm die brasilianische Spielfreude abging. Als junger Profi feierte er seine ersten Erfolge dann im Sturm: als trockener, unspektakulärer Vollstrecker. 1997 wechselte er nach Leverkusen, wo er mit Ulf Kirsten ein kongeniales Duo bildete. Insgesamt spielte er 88 Mal für Bayer und machte 29 Tore, darunter ein legendäres mit der Hacke, das der unbestrittene Höhepunkt seines brasilianischen Flairs blieb. Für die Nationalmannschaft reichte es trotzdem.

Zwischen 1998 und 2000 machte Rink 13 Spiele für den DFB, in denen er kein einziges Mal traf. Bei der EM 2000, dem Turnier, bei dem alles besser werden sollte, stand er als einziger im deutschen Kader in allen Vorrundenspielen auf dem Platz. Deutschland schied als Gruppenletzter aus. Der Anfang vom Ende für Rinks Karriere, die ihn ab 2002 mit dem sukzessiven Abstieg über Nürnberg, Cottbus, Zypern, die Niederlande und Südkorea schließlich wieder zurück nach Brasilien führte. Im Mai 2007 fand sein Abschiedsspiel in seiner Heimatstadt Curitiba statt.