Was macht eigentlich Frank Rijkaard?

Vom Erdboden verschluckt

Er führte den FC Barcelona zum Gewinn der Champions League und formte ein Team, das als Inbegriff der Moderne galt. Im Sommer musste Frank Rijkaard gehen – und niemand spricht mehr von ihm. Warum bloß? Was macht eigentlich Frank Rijkaard?Imago Um Frank Rijkaard ist es verdächtig ruhig geworden. Lediglich als tatkräftiger Unterstützer verschiedener Stiftungen macht der Niederländer noch hier und da auf sich aufmerksam. So kickte der frühere Weltklassespieler im Juni von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt mit ADHS-Kindern. TV-Auftritte? Fehlanzeige. Seine Website kommt - je nach Browser - unterschiedlich kryptisch daher und liest sich - browserunabhängig - wie das Produkt eines HTML-Einsteigers mit Luft nach oben. Kurzum: Seit Rijkaard im Mai diesen Jahres nach einer verkorksten Saison beim FC Barcelona seinen Hut nehmen musste, ist er untergetaucht.

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Ein demütigendes 1:4 beim Erzrivalen und Titelverteidiger Real Madrid hatte das Fass am drittletzten Spieltag zum Überlaufen gebracht und Präsident Joan Laporta kaum eine andere Wahl gelassen. Nach einer unruhigen Saison mit vielen internen Querelen um die Superstars Ronaldinho und Samuel Eto’o verpasste Barça die direkte Champions-League-Qualifikation erstmals seit fünf Jahren. Und das um zehn Punkte - Meister Real war selbst mit dem Fernglas nur noch unscharf zu erkennen.

Eine dicke Bewerbungsmappe

Dennoch bleibt auf den ersten Blick unverständlich, warum Rijkaard noch keinen neuen Verein gefunden hat. Schließlich hat der Holländer, der seit nunmehr zehn Jahren im Trainergeschäft tätig ist, beachtliche Referenzen aufzuweisen: EM-Halbfinalist, zweimaliger spanischer Meister und Champions League-Sieger. Dazu kommen eine Reihe berauschender Fußballfeste und ein Vielfaches an Titeln aus seiner aktiven Karriere.

Es ist nicht so, dass es keine Anfragen gegeben hätte. Spartak Moskaus Manager Valery Karpin lobte Rijkaard öffentlich über den grünen Klee und versuchte, dem 46-Jährigen ein Engagement mit russischen Öl-Millionen schmackhaft zu machen, vergeblich. Einer türkischen Nachrichtenagentur zufolge ist der Ex-Bondscoach darüber hinaus als Nachfolger des chronisch kritisierten Michael Skibbe bei Galatasaray Istanbul im Gespräch, und auch am Trainerstuhl von Juves Claudio Ranieri wird in Hinblick auf Rijkaard bereits medial gesägt. Außerdem hatten noch Ajax Amsterdam und der AC Mailand angeklopft, allerdings wollen Rijkaards Ex-Clubs den Holländer angeblich erst für die nächste Saison.

Bleibt die Frage, warum Frank Rijkaard selbst sich bislang weder entschieden, noch öffentlich geäußert hat. Vielleicht hat er aus den Fehlern bei Barcelona gelernt, wo seiner Meinung nach gilt: »Wenn man zu viel über Probleme spricht, werden sie nur noch größer«. Vermutlich spekuliert der Niederländer still und leise erneut auf ein Engagement bei einer internationalen Top-Adresse. Er hat bereits bewiesen, dass er einen Weltklasse-Club führen kann, doch wurde ihm sein, Laportas Meinung zufolge, unsouveräner Umgang mit den bereits erwähnten extravaganten Spielercharakteren zum Verhängnis. Womöglich fehlen deshalb bisher konkrete Anfragen der ganz großen Adressen in Europa. Wobei gerade im frühen Stadium der aktuellen Saison auch bei den wenigsten Großclubs Handlungsbedarf besteht.

Sollte Carlo Ancelotti nach der verkorksten letzten Saison auch in diesem Jahr ohne Titel bleiben, gilt ein Wechsel von Rijkaard zum AC Mailand als am wahrscheinlichsten. Traditionell werden beim AC bevorzugt Ex-Spieler ins Traineramt gehievt.

Fraglich bliebe nur, ob der Holländer Ronaldinho dieses Mal in den Griff bekommen kann.

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