Was macht eigentlich: Fabien Barthez

Göttliche Glatze mit Helm

Welt- und Europameister, Champions-League-Sieger, mehrfacher Meister: Als Keeper stand Barthez für Erfolg, Spektakel und Waghalsigkeit. Nichts davon hat er verloren. 

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Irrer Blick. Irres Spiel. Irrer Typ. Fabien Barthez gehörte zu einer Gattung, die im modernen Fußball auszusterben droht. Ein Exzentriker aus der kahnschen Towart-Epoche. Vom Ehrgeiz zerfressen, immer den nächsten Sieg vor Augen: »Ich habe Fußball nie wegen der Atmosphäre gespielt, sondern um zu gewinnen.«

Die Einen sagen, es war diese kahnsche Verrücktheit, die ein Weltklasse-Keeper braucht. Die Anderen sagen, es war eine eigenwillige Verrücktheit, die Barthez´ Spiel so beeinflusste, dass ihm der Aufstieg in die Weltklasse verwehrt blieb. Zu abenteuerlich waren seine Ausflüge, zu inkonstant seine Leistungen und zu umstritten seine Person. 

Barthez polarisierte. Gespielt hat er immer. Im Verein, vor allem aber in der Nationalmannschaft. Und so hat er es trotz allem geschafft, dass sein Name für immer in einem Atemzug mit der goldenen Generation der Equipe Tricolore genannt wird. Zinedine Zidane, Raymond Domenech, Lilian Thuram. Und eben Barthez. 

Göttliche Glatze ohne Eleganz

Gemeinsam wurden sie Welt- und Europameister, Barthez gewann zudem mit Marseille die Champions League. Mit Monaco wurde er zwei Mal französischer und mit Manchester United zwei Mal englischer Meister. 2000, der Siedepunkt seiner Karriere und kurz vor seinem Wechsel nach Manchester, wurde Barthez Welttorhüter.  

Und das, obwohl die »göttliche Glatze« gefühlt nicht einen Ball festhalten konnte. Stattdessen schaffte er es immer, irgendeinen Körperteil seines mit 1,83 Meter für einen Keeper knapp bemessenen Körpers zwischen Ball und Torlinie zu bringen. Auch das ist Talent. Barthez stand für Spektakel, Flugeinlagen und Reflexe. Und nicht für Eleganz, Ruhe und Ausstrahlung. Es ist zweifelhaft, ob sein Spiel heutzutage eine Chance hätte.

Eskapaden und ein bezeichnender Abgang

Barthez´ Spiel ging Hand in Hand mit seiner Lebensweise. 1995 wurde er wegen Haschisch-Konsum für vier Monate gesperrt. 2005 nahm ihn der französische Fußballverband für sechs Monate aus dem Verkehr, weil er bei einem Freundschaftsspiel gegen Casablanca den Schiedsrichter bespuckte. »Solche Dinge passieren jeden Tag auf den Straßen. Wenn du beleidigt wirst, flippst du eben aus«, lautete seine »Entschuldigung« damals. 

Bezeichnend, dass seine großartige Karriere mit einem Knall endete. Der abstiegsbedrohte FC Nantes reanimierte Barthez im Winter 2006. Nach einer Niederlage des Tabellenletzten wurde Barthez´ Auto von alkoholisierten Anhängern blockiert. Sie provozierten den Keeper, bis dieser ausstieg und sich eine handfeste Keilerei leistete. Anschließend packte er seine Familie ein und floh aus der Stadt. Es war sein letzter sportlicher Auftritt. Vier Spieltage später stieg Nantes nach 44 Jahren im Oberhaus in die zweite Liga ab.