Was macht eigentlich: Anthony Yeboah

Der Alleskönner

Als Spieler war er eine einzige Erscheinung. Doch auch nach seiner aktiven Karriere läuft es wie geschmiert für Anthony Yeboah. Nicht zuletzt dank Chelsea.

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»Yeboah hat sein Rohr zurück«, lautete im Juni 2016 die bis dato letzte, große Schlagzeile zu Anthony Yeboah. Dem Mann, der einst drauf und dran war, in die Fußstapfen von Gerd Müller zu treten. Dem Stürmer, der alles hatte: Kraft, Technik und einen Torriecher von hier bis Kumasi, seiner Geburtsstadt in Ghana. 

Das »Rohr«, das war die Torjägerkanone, die er im Laufe der Jahre irgendwie verschlampt hatte, und die Yeboah 1994 in der Bundesliga gewann, mit 18 Toren in gerade einmal 22 Spielen. Ein Jahr zuvor hatte er schon eine erhalten, damals für 20 Tore in 27 Spielen.

Yeboah ließ Abwehrspieler wie Trauerweiden aussehen

Er war es, der die geballte Offensiv-Macht der Frankfurter in Tore ummünzte. Der die Vorlagen von Uwe Bein, Jay-Jay Okocha oder Maurizio Gaudino trocken in die Maschen prügelte, oder einfach selbst durch komplette Abwehrreihen hindurch lief, als wären sie Trauerweiden. Der die Eintracht-Fans, mitten unter ihnen sein eigener Fanklub, die »Zeugen Yeboahs«, von der Meisterschaft träumen ließ.



Dass es mit der Meisterschaft dann doch nichts wurde, liegt am furchtbar ungerechten Fußballgott, Rostock und dem Verletzungs-Pech Yeboahs. Immer wieder fiel er aus, fiel aus Wolken, die für Welt-Torjäger gemacht wurden, ins Tränenreich der ungewollten Abstinenz.

Der Stürmer, den die Frankfurter Allgemeine einst eine Mischung aus »Pelé und Carl Lewis« nannte. Der erste afrikanische Kapitän eines Bundesligisten. Der immer traf, wenn er denn fit war. Ob in Saarbrücken, seiner ersten Profi-Station in Europa (nachdem er bei Borussia Dortmund im Probetraining durchgefallen war), in Frankfurt, Leeds oder Hamburg.

Die Titelausbeute? Eine Frechheit!

Da ist es fast schon eine zynische Wendung des Schicksals, dass die einzigen Titel, die er gewann, eine katarische Meisterschaft und ein katarischer Pokalsieg sind, die aus seiner letzten Profi-Saison bei Al Ittihad stammen. Oder besser noch: Eine Frechheit.

2002 war Schluss mit der aktiven Karriere, im Alter von 36 Jahren. Oder 38 Jahren. Oder 34 Jahren. So genau lässt sich das bei Yeboah trotz aller Beteuerungen nicht sagen. Sicher hingegen: Auch nach der Karriere ließ Yeboah kaum eine Chance ungenutzt.