Was macht eigentlich: Alain Sutter

Mit Human Capital stressfrei glücklich

Zwei Spielzeiten hielt Sutter für die Freiburger die Locken hin. Dem Ruf, einer der talentiertesten Schweizer Fußballer aller Zeiten zu sein, wurde er kaum gerecht. Der Klub stieg schließlich ab, Sutter wechselte in die USA und spielte noch eine Saison für Dallas Burn, ehe er seine Karriere beendete. Er blieb in Texas, kaufte alte Appartements, renovierte sie eigenhändig.

Nach den Gründen befragt, antwortete er der Aargauer Zeitung: »Das war Beschäftigungstherapie. Es war sehr spannend, mal neue Sachen zu lernen. Nach dem Leben in der Glitzerwelt Fussball kam ich so wieder etwas ›down to earth‹. Beispielsweise auf den Knien eine Toilette auszuwechseln, hat alles wieder in gesunde Relationen gesetzt.«

Zurück ins Schneckenhaus

Und da er sich mit der Keramik fremder Leute befasste, ordnete er den Rückblick auf seine Karriere. Über seine Zeit in München befindet er heute: »Ich war viel zu wenig selbstbewusst, als Persönlichkeit zu wenig stark, um mich bei Bayern durchsetzen zu können. Im Nachhinein wurde mir bewusst, dass ich in München wegen des Drucks an meine Grenzen gestossen bin.« Druck, der zu Stress wurde, und wegen dem er sich »ins Schneckenhaus zurückgezogen« habe. 


Mit dieser Erkenntnis gesegnet, schickte er sich schließlich an, Auswege zu suchen. Für sich, für andere. Inzwischen arbeitet Alain Sutter als Fußballexperte im Schweizer Fernsehen — und als Lifecoach.

Stressfrei glücklich

Er gibt Seminare über richtiges Stressmanagement und bietet Herzfrequenzvariabilitäts-Messungen an, mit denen Unternehmen unterstützt werden sollen, »die Verantwortung übernehmen, um ihr Human Capital wirksam zu erhalten und langfristig ausbauen zu können«, wie es auf seiner Homepage heißt. Na dann. 

Nebenbei hat er ein Buch geschrieben: »Stressfrei glücklich sein.« Es wurde ein Bestseller. Im November erscheint der Nachfolger »Herzensangelegenheit«. Er soll aufzeigen, so der Pressetext des Verlags, »wie unser Organismus mit unserem Herzen kommuniziert und die Sprache des Herzens sichtbar macht.« 

Davon mag man halten, was man will. Findet auch Sutter im Gespräch mit dem Schweizer Blick: »Jeder darf von mir denken, was er will. Ich kann unmöglich gegen Vorurteile ankämpfen.« Zumal er längst im Reinen ist mit sich: »Ich bereue nichts. Mein Leben hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Und dieser Mensch ist völlig okay, finde ich.« 


Alain Sutter: In der Schweiz als TV-Experte bekannt genug, »parodiert« zu werden: