Was macht Darmstadt 98 so stark?

Das gallische Dorf

Der SV Darmstadt mischt die Liga auf. Wie macht er das nur? Mit einem altmodischen Kick'n' Rush-System, viel Kampfgeist und dem Glück des Tüchtigen.

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Wir befinden uns im Jahre 2015 nach Christus. Die gesamte Bundesliga ist gnadenlos durchprofessionalisiert. Die ganze Bundesliga? Nein! Ein von unbeugsamen Hessen bevölkertes Fußballdorf hört nicht auf, Widerstand zu leisten.

Willkommen beim SV Darmstadt 98. Vor der Saison waren sie bereits vor dem ersten Spieltag abgestiegen, so schien es. Das Stadion galt als alt und bröckelig, die Kabinen versprühen den Charme eines Kreisklasse-Klubs, die Jugendarbeit ist nicht der Rede wert. Nach sieben Spieltagen hat sich der krasse Außenseiter jedoch zum gallischen Dorf der deutschen Bundesliga gemausert.

Der Underdog unter den Unterdogs

Um die Asterix-Referenz zu vollenden: »Das Leben ist nicht leicht für die Fußball-Legionäre, die an das Böllenfalltor reisen müssen.« Taktisch hat der SV Darmstadt das Underdog-Dasein auf die Spitze getrieben. Darmstadt sammelt praktisch keinen Ballbesitz, steht permanent in der 4-4-1-1-Defensivordnung. Nicht mal ihr Konterspiel funktioniert im traditionellen Sinne. Statt nach Ballgewinnen raumgreifend zu kombinieren, bolzen die Darmstädter den Ball meistens nur weg. Knapp jeder dritte Pass ist ein langer Ball, jeder zweite Pass landet dabei beim Gegner.

Darmstadt ist das egal. Sie hoffen darauf, dass sie den Abpraller eines langen Balls erhalten – oder dass der pfeilschnelle Marcel Heller das Laufduell gegen seinen Gegenspieler gewinnt. Selbst bei Kontern gibt Darmstadt jedoch die kompakte Position der Defensive nicht auf. Es ist ein Abnutzungskampf gegen den Gegner.

Kampf statt Spiel

Viele Bundesligisten kommen mit dieser Taktik nicht zurecht. Gerade die schwächeren Teams der Liga haben Probleme, einen Gegner mit spielerischen Mitteln zu bezwingen. Wenn ein Underdog wie Darmstadt ihnen den Ballbesitz förmlich aufdrängt, tun sie sich schwer damit. Zumal das Pressing, ein Eckpfeiler der meisten Bundesliga-Teams, nicht funktioniert gegen einen Gegner, der ohnehin darauf spekuliert, dass jeder zweite Ball beim Gegner landet.