Was macht Christopher Schorch?

Köln: Eine Herzensangelegenheit

Doch mit den Berlinern überwirft er sich kurz vor seinem Weggang nach Madrid. Mithilfe des Vaters seiner damaligen Freundin wollte Schorch mit Hertha-Manager Dieter Hoeneß über sein Gehalt verhandeln. Dabei kam es zum Clinch: Der damalige Jungspieler forderte zu viel und die Hertha war empört. Beide Seiten waren letztendlich froh über das Angebot aus Madrid. Heute denkt der 25-Jährige »nur Gutes« über Hertha. Er verfolge die Entwicklung des Vereins nach wie vor und sei ihm für die Ausbildung, die er genießen durfte, dankbar. Die Situation damals nennt er »die Flucht der jungen Spieler«, weil nicht nur er aus Berlin weggegangen sei, sondern auch die Boateng-Brüder, Sejad Salihovic und Chinedu Ede.

Zurück in der Bundesliga

Eine ganz andere Verbindung hat Schorch zum 1. FC Köln. Als er merkte, dass er in Madrid nicht mehr an die Leistung der Mannschaft anknüpfen konnte, zog er im September 2009 an den Rhein und spielte wieder in der Bundesliga. »Der Kontakt zu den Kölnern ist nie abgebrochen. Die haben sich permanent um mich bemüht, waren bei Spielen von mir und haben mit mir telefoniert.« Wenn der Abwehrmann über die Geißböcke spricht, klingt es fast so, als sei der FC sein Herzensverein.

»Ich habe mich in Köln direkt reingeworfen, mich hinten festgesetzt, gezeigt, dass ich Bundesliga spielen kann, bis zu der blöden Kreuzbandverletzung« – Schorch konnte die restliche Saison nicht weiterspielen. Nach weiteren unregelmäßigen Einsätzen in Köln wurde der Innenverteidiger für die Saison 2011/2012 an Energie Cottbus verliehen. Nach neun Spielen für die Brandenburger kehrte er in die zweite Mannschaft des FC zurück. Und damit auch die Verletzungsmisere: Dem Kreuzbandriss folgten ein Sehnenriss, ein Knorpelschaden und Patellasehnenriss – seine, wie er sagt, schlimmste Verletzung, die er sich kurz vorm Vertragsende zuzog.

Das war ungünstig, hatte er doch auf eine Vertragsverlängerung oder die Übernahme durch einen anderen Verein gehofft. Diesmal entschied sich der 1,89 m-Abwehrrecke dafür, sich komplett auszukurieren. Dreimal wurde er operiert, ließ sich bis zum Sommer 2013 Zeit zu genesen und war dann arbeitslos. Plötzlich hatte kaum jemand das einstige Abwehrtalent noch auf dem Einkaufszettel, nur die zweite Mannschaft des VfL Bochum wollte ihn haben.

»Duisburger machen geile Stimmung«

In der fünften Station seiner Profilaufbahn machte VfL-Trainer Peter Neururer von Anfang an aber klar: »Christopher ist nur für die U23 eingeplant. Sollte er aber mit Leistung überzeugen, kann er kommende Saison vielleicht den Profikader verstärken.« Das tat er nie und wechselte stattdessen im Sommer zum Drittligisten MSV Duisburg.

Duisburg, das 2013 aufgrund seiner wirtschaftlichen Misslage die Zweitligalizenz vom Ligaverband verwehrt wurde, will sich so schnell wie möglich ins Oberhaus zurückkämpfen: mit neuem Trainer, neuen Spielern und alten Fans. Zu denen hat Christopher Schorch ein besonderes Verhältnis: Er postet fast täglich Infos rund um die Zebras auf seiner Facebookseite oder lädt Bilder mit Duisburg-Anhängern hoch.

»Ich lasse die Fans gerne an uns Spielern teilhaben. Die Duisburger machen immer geile Stimmung in den Stadien, peitschen uns an und kommen überall mit hin, das muss man einfach honorieren.« Schon in Köln war »Schorchi« ein Publikumsliebling, das ist noch heute zu spüren: Als die beiden Mannschaften im Pokal aufeinander treffen, bekommt Schorch am Ende von zwei Seiten Applaus, obwohl er nur auf der Bank sitzt.