Was läuft in Schwedens Fanszenen verkehrt?

Hool-Szene wird politisch

Ygeman ist unter Druck, denn Schweden will sich als vorbildliches Sportland präsentieren. Das Königreich macht sich große Hoffnungen, gemeinsam mit Norwegen, Dänemark und Finnland 2024 oder 2028 die EM ausrichten zu dürfen.

Hartnäckigen Gerüchten zufolge soll der neue UEFA-Präsident Aleksander Ceferin den nordischen Ländern für den Fall seiner Wahl volle Unterstützung zugesagt haben. Nur: Die ständigen Krawalle in Schweden und zuletzt auch in Dänemark sind keine gute Empfehlung.

Fußball, Eishockey, Parkplatz – geprügelt wird überall

Allein in Stockholm halten drei Hooligan-Horden die Ordnungshüter in Atem: »Djurgardens Fina Grabbar« (Djurgardens Feine Kerle), die »Firman Boys« (Jungs von der Firma) von AIK sowie die »Kompisgänget« (Freundschaftsbande) aus Hammarby. Anders als in Deutschland hat die Szene keine Nachwuchsprobleme. Es gibt genug zu tun: Ist gerade kein Fußball, treffen sich die Haudraufs beim Eishockey. Oder auf einem Parkplatz. Oder in der Stadt. Die Ausschreitungen beschränken sich längst nicht mehr auf die Spieltage. Der urbane Kampf ist zum eigenen Sport mutiert, mit eigenem Spielplan und eigenen Regeln. Auch Teile der Ultra-Szenen mischen mit.

Das Ausufern der Gewalt hat auch gesellschaftliche Gründe. Schwedens Wandel vom Super-Sozialstaat zur weltweiten Wirtschaftsmacht hat viele Verlierer zurückgelassen. Zudem ist das Land ersehntes Einwanderungsziel in Europa. Doch die Integration lahmt. Im Zuge des jüngsten Flüchtlingsexodus nahm Schweden rund 160.000 Menschen auf – im Verhältnis zur Einwohnerzahl (knapp 9 Millionen) sind das etwa 50 Prozent mehr als in Deutschland (rund eine Million Schutzsuchende bei gut 80 Millionen Einwohnern). Im Land von Zlatan Ibrahimovic grassieren diffuse Ängste vor Überfremdung und Identitätsverlust.

Auch die Hool-Szene wird zunehmend politisch: Wenn es gegen Ausländer geht, hält die Familie – HoGeSa lässt grüßen – zusammen. Im Februar bliesen »Djurgardens Fina Grabbar« zur Jagd auf marokkanische Jugendliche. Auf Flugblättern versprach man »nordafrikanischen Straßenkindern, die herumstreunen, die Bestrafung, die sie verdienen«. Auch die »Firman Boys« kamen. Dass AIK-Publikumsliebling Alexander Isak (17) einer eritreischen Flüchtlingsfamilie entstammt – wurscht!

Ein Toter beim Fußball

Sozialforscher sehen auch den Boulevard- und Pay-TV-Sender »C More« als Konflikt-Keim. Weil das sportliche Bild der Allsvenskan höheren Ansprüchen kaum genügt, liegt der mediale Fokus auf dem äußeren Rahmen: Welche Kurve ist die lauteste, wer macht die coolsten Choreos? In welchem Stadion brennt die Luft am heißesten? Regelmäßige Rankings in der Yellow Press und schrille TV-Trailer befeuern diesen Wettbewerb. Experten warnen: Die öffentliche Konkurrenzsituation der Fanszenen führt zu extremen Auseinandersetzungen, auch unter den Ultras.

Dabei hatte der schwedische Fußball längst seine Unschuld verloren. Vor zweieinhalb Jahren, am 30. März 2014, wurde ein 43-jähriger Fan von Djugardens IF in Helsingborg von einer Flasche am Kopf getroffen. Er erlag kurz darauf seinen schweren Schädelverletzungen. Der 28-jährige Täter wurde zu neun Monaten Haft und zur Zahlung von 450.000 Kronen (knapp 50.000 Euro) an die Hinterbliebenen verurteilt. Was dieser Vorfall im Land bewirkt hat? Anscheinend nicht viel.

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