Was läuft schief in Bremen?

Die drei großen Probleme

3. Offensive ohne Durchschlagskraft

Die Rückwärtsbewegung bei Bremen stimmt. Sie sind schnell mit allen Mann hinter dem Ball, nur die Stürmer verbleiben in einer hohen Position. Darunter leidet allerdings die Offensive: Das Bremer Mittelfeld rückt eher zaghaft nach. Einzig die Außenverteidiger sollen eine hohe Position einnehmen, können aber oft mangels Unterstützung wenig Torszenen kreieren.

Problematisch war das Bremer Spiel besonders nach der Verletzung von Max Kruse. Er riss mit seiner Beweglichkeit Lücken, sorgte mit seinem ständigen Ausweichen für Überzahlen auf dem Flügel. Nouris Idee, mit Finn Bartels und Florian Kainz zwei bewegliche Stürmer aufzustellen, ging gegen Wolfsburg schief. Erst durch die Einbindung des klassischen Stürmers Ishak Belfodil hat das Umschaltspiel wieder mehr Wucht. Belfodil kann Bälle festmachen und ablegen. Allerdings fehlt auch ihm häufig der Anspielpartner bei Umschaltsituationen. Bremens System ist dafür zu sehr auf Stabilität ausgerichtet.

4. Die Balance fehlt (noch)

Wenn man Bremen nur auf die defensive Stabilität beschränkt, vermittelt man jedoch ein falsches Bild. Es gibt Phasen, in denen die gesamte Mannschaft vorschiebt, den Gegner früh unter Druck setzt und auf Risiko spielt. Diese Marschroute durfte man zuletzt vor allem nach der Pause bestaunen, sowohl gegen Wofsburg als auch gegen Freiburg. Hier rücken die Außenverteidiger bis an die letzte Linie, Kainz geht weit nach vorne, auch die Innenverteidiger schalten sich in der gegnerischen Hälfte in das Angriffsspiel ein.

Das Problem: Bremen kann entweder auf Stabilität spielen oder auf offensive Durchschlagskraft setzen. Noch fehlt ein Mittelweg, der beide Ideen vereint. Gegen Freiburg hatte Bremen nach der Pause mehr Chancen, musste jedoch auch Konter des Gegners hinnehmen. Gerade im Mittelfeldzentrum steht Bremen mit der offensiven Variante häufig offen, da Kainz und auch Delaney weit vorrücken. Das kann auch das aktive Herausrücken der Verteidiger nicht immer auffangen. Einen Mittelweg hat Nouri aber noch nicht präsentieren können.

5. Gesucht: ein Vollstrecker

Gegen Freiburg hätte die offensive Variante eigentlich zu einem Bremer Sieg führen müssen. Doch sie standen sich selber im Weg: Keine ihrer zahlreichen Chancen nutzten sie. Kein neues Problem: Bremen braucht in dieser Saison durchschnittlich 23 Schüsse für einen Treffer. Das ist der drittschlechteste Wert der Liga, einzig Freiburg und Köln benötigen noch mehr Chancen für ein Tor.

Hier zeigt sich nicht nur das Fehlen von Kruse, sondern auch von Zlatko Junuzovic. Aus dem Mittelfeld fehlt die Torgefahr. Auch die Strafraumpräsenz ist manches Mal mangelhaft. Häufig rückt Gebre Selassie mit in den Sechzehner, um dies zu kompensieren. Er ist jedoch nicht der geborene Torjäger. So kann Bremen die guten Ansätze oft nicht veredeln.

Somit ist die Lage zwiegespalten in Bremen: Die Leistungen, gerade im Spiel gegen den Ball, sind keineswegs Zweitliga-reif. Doch mit jedem weiteren Spieltag ohne Sieg klingen die Bremer Beteuerungen, es werde alles gut, stärker wie Durchhalteparolen.