Was kann die Löwen jetzt noch retten?

Eintracht Sechzig

Seit etlichen Jahren ist die Vereinsspitze von 1860 München ein zerstrittener Haufen. Um zukunftsfähig zu bleiben, muss endlich eine starke Einheit den Verein führen. Ein Kommentar von Moritz Kielbassa. Was kann die Löwen jetzt noch retten?Imago XX stand am Samstag für: Zwölfkommasechs. 12,6-tausend Löwen-Fans pilgerten bei weißblauem Himmel zur Herzensheimat ihres Vereins. Ins vom Abriss bedrohte Grünwalder Stadion, wo die gute alte Zeit des TSV von 1860 wohnt, und nicht die pechgepflasterten 2000er-Jahre: mit Abstieg, Wildmoser-Schmiergeldskandal, Beinahebankrott, Mietabhängigkeit vom FC Bayern und fortgesetzten internen Flügelkämpfen, die den Klub seit Jahren schleichend zersetzen.

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Am Samstag waren sich alle 12.600 einig (abzüglich ein paar Regensburgern): Auch beide Fandachverbände unterstützten die kreative Stadionaktion, Pro 1860 und Arge. Am Samstag gab es keinen Zoff. Es gab für alle Löwen, Traditionalisten wie Realos, ein gemeinsames Ziel. Und Riesenstimmung. Wer solche Fans hat, der verliert trotz aller Skandale nie den Boden unter den Füßen.

Nur muss diese gewaltige emotionale Kraft, die aus unverbrüchlicher Treue zu Sechzig erwächst, endlich in eine Richtung fließen. "XX-tausend" könnte für die Zukunft des ganzen Vereins Vorbildcharakter haben. Wenn an diesem Montag Aufsichtsrat und Präsidium tagen, um Ordnung in das Führungschaos der vergangenen Wochen zu bringen - dann ist engstirniges Lagerdenken ebenfalls deplatziert.

Pulverfass mit Zeitzünder

Vier der neun e.V.-Aufsichtsräte werden der Arge zugeordnet, vier zu Pro1860. Aber das darf keine Rolle mehr spielen. Viel zu lange wurden im Sinne der Giesinger Staatsräson faule Kompromisse verwaltet: Präsident und Geschäftsführer wie Hund und Katz, dazu im Hintergrund verworren gesponnene Intrigen wie in einem Schiller-Drama oder einer Mozart-Oper - dies war seit Monaten ein Pulverfass mit Zeitzünder.

Hinzu kommt ein Präsident, der ein höflicher Mann sein mag, der jedoch in unerreichbar eigenen Gedankenwelten lebt. Zu viele im Verein haben dem kontraproduktiven Zanken im dritten Stock der Geschäftsstelle still zugeschaut. Leider bedurfte es einer Donner-Inszenierung des undiplomatischen Finanzchefs Stefan Ziffzer, um das Patt aufzubrechen.

Diesen Montag haben die Gremien nun die Chance zur Selbstreinigung. 1860 darf keine Große Koalition mehr sein, wo getrennte Fraktionen um kleinste gemeinsame Nenner ringen. Es sollten Menschen das Sagen haben, die professionell und einträchtig vorausmarschieren, die das sportliche Zukunftskonzept mit einem engagierten jungen Trainer stützen - und vor allem: die neue Kapitalgeber ins Boot bringen, damit 1860 in der zweiten Liga vorwärtskommt.

Spagat zwischen Tradition und Moderne


Ob diese Leute an der Vereinsspitze Linde, Wettberg, Steiner, Kastenberger, Ziffzer, Lutz, Beeck, Hirschberger, Maget oder Schorschi Brimsbichler heißen, ist sekundär. Alle, die an Sechzig hängen, sind wichtig für den Klub, auch jene Fortschrittsskeptiker, die das sündteure neue Stadion verächtlich »AA« nennen und deren Herz blutet, seit der kalte, kulturlose Fußballkommerz vom Verein Besitz ergriff.

Diese Haltung sollte man nicht nur als spinnerte Sozialromantik abtun, bei 1860 muss ein Spagat zwischen Tradition und Moderne gelingen. Unstrittig ist aber auch, was Vizepräsident Franz Maget, ein emsiger Kämpfer fürs Grünwalder, betonte: Dritte Liga im Sechzgerstadion - das ist der falsche Weg: »Unser Ziel heißt: erste Liga.«