Was ist los mit Iker Casillas?

Ein Heiliger a. D.

Iker Casillas war mal der beste Torwart der Welt, in Porto ist er zum Sicherheitsrisiko geworden. Was läuft schief bei »San Iker«?

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Glaubt man den Socialmedia-Aktivitäten von Iker Casillas, war der vergangene Sonntag ein guter Tag. Glücklicher sei er, ließ der Torwart des FC Porto aus dem Bus verlauten. Seine Mannschaft hatte 2:1 beim Erzrivalen Benfica Lissabon gewonnen, was auch an seinen Paraden lag. Beides war schon länger nicht mehr der Fall gewesen: ein souveräner und ein glücklicher Casillas. Ihm waren in den vergangenen Monaten so viele Fehler unterlaufen, dass sie sich in Portugal längst fragen, was aus dem einstigen Welttorhüter geworden ist. Höhepunkt der Pannenserie war ein Gegentreffer bei Vitoria Guimaraes im Januar.

Der Ball stand ewig lange in der Luft, weit und breit kein Gegenspieler. Casillas hätte ihn einfach nur fangen zu brauchen, stattdessen wurde er nervös, klatschte nach vorn ab, wo schon ein gegnerischer Angreifer wartete und problemlos verwandelte. So ein Fehler, von Casillas? Zu Hause wunderten sie sich. Die Zeitung »El Pais« schrieb: »Spaniens großer Torwart ist 34 Jahre alt, aber das Alter ist keine Entschuldigung für solche Aktionen.« Es mag stimmen, dass Casillas mit den Jahren Reflexe eingebüßt hat, er hält auch nicht mehr die Unhaltbaren. San Iker, der Heilige, schafft längst keine Wunder mehr. Aber solche Anfängerfehler wie zuletzt waren bei ihm nicht mal am Anfang seiner Karriere zu sehen.

In Porto wollte Casillas zu alter Stärke zurückfinden

Es läuft einfach nicht für Casillas in Portugal. Grotesk, galt die Liaison zwischen dem Torwart und dem portugiesischen Meister doch als eine mit Happy-End-Garantie. Casillas war nach 26 Jahren bei Real Madrid nicht mehr gewollt, er suchte einen neuen Verein, bei dem er in Ruhe seine Karriere ausklingen lassen konnte. Porto schien dafür der perfekte Ort. Kein Vergleich zu all dem Rummel in Madrid, deutlich gediegener und doch nicht die schlechteste Adresse im europäischen Fußball. Julen Lopetegui, Portos Trainer im Sommer, kennt Casillas von der spanischen Nationalmannschaft, sie vertrauen und schätzen einander. Lopetegui garantierte ihm einen Stammplatz, trotz des Trikots mit der Nummer 12. In diesem Umfeld wollte der Torhüter zu alter Stärke zurückfinden.

Porto bot sich gern an als Kurort, auch wenn der Klub nicht unbedingt auf der Suche nach einem Torwart war. Helton gab seit Jahren eine recht passable Nummer eins, aber im Vergleich zu Iker Casillas wirkte er so aufregend wie die Renditeaussichten bei der Sparkasse. Von Casillas versprachen sich die Verantwortlichen des FC Porto in erster Linie internationale Aufmerksamkeit und Marketingeinnahmen. Dazu noch ein, zwei ansehnliche Paraden, schon hätte sich der Deal gelohnt. Die Kosten waren ja noch halbwegs überschaubar. Klar verdiente der Neue mit den kolportierten 6,5 Millionen Euro für portugiesische Verhältnisse ein exorbitantes Gehalt, aber Real Madrid hatte sich zähneknirschend bereit erklärt, die Hälfte davon zu übernehmen.