Was ist los beim FC Barcelona?

Chaostage

Neuzugänge floppten, der CAS verhängte eine Transfersperre – und nun steht auch noch Lionel Messi mit seinem Trainer auf Kriegsfuß. Was ist eigentlich los beim FC Barcelona? 

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Der wohl bitterste Abend seiner Trainerkarriere endete für Luis Enrique mit Pfiffen. Dabei hatte der von ihm trainierte FC Barcelona sein Pokal-Hinspiel gegen Elche souverän mit 5:0 gewonnen. Aber das interessierte nur am Rand, weil sich die eigene Mannschaft und die Fans ganz öffentlich von Enrique abwandten. Neymar verweigerte dem Trainer nach seiner Auswechslung den Handschlag, kopfschüttelnd verließ er das Feld. Und die Zuschauer hielten Plakate hoch, auf denen stand: »Es gibt nur einen König: Messi!« Oder: »Messi no se toca« – »Messi ist unantastbar«. Marc Bartra wurde noch deutlicher: »Unser Leader ist Messi«, sagte der Verteidiger.
 
Publikum und Team ergriffen eindeutig Partei zu Messis Gunsten. Der Hintergrund: Seit Wochen liegt Barcelonas wichtigster Spieler im Streit mit seinem Trainer. Beide sollen kaum noch mit einander reden.

Transfersperre und Transferflops
 
Als hätte der Klub nicht schon genug Probleme. Erst bestätigte der internationale Sportgerichtshof CAS die Transfersperre, in den kommenden zwei Transferperioden darf Barca keine neuen Spieler mehr verpflichten. Das beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit, zumal unter den jüngsten Transfers einige Flops waren. Der Brasilianer Douglas spielt kaum, der Belgier Thomas Vermaelen nie. Er kam schon verletzt nach Barcelona. Nicht nur wegen verfehlter Transfers wurde Sportdirektor Andoni Zubizarreta unter der Woche entlassen. Der ehemalige Torwart hatte öffentliche Kritik an Präsident Josep Bartomeu beübt, was ihm den Job kostete. Als Reaktion trat Klublegende Carles Puyol, der als Nachfolger von Zubizarreta aufgebaut werden sollte, sofort zurück. In ihm geht eines der bekanntesten Gesichter der Katalanen.

Der FC Barcelona ist mal wieder dabei, sich selbst zu zerfleischen. In den Neunzigern war eine Fehde zwischen Präsident Josep Lluis Nunez und Trainer Johan Cruyff für das Ende des »Dreamteams« verantwortlich. Ruhe im Führungszirkel kehrte nur selten ein, der FC Barcelona ist seit jeher ein Hort der Eitelkeiten.

Barcelonas Imageschaden

Joan Laporta, der während seiner Amtszeit Erfolge gern mit Sekt und Marihuana feierte, erweckte den Klub zu Beginn des Jahrtausends zu neuem Leben, überwarf sich dann aber mit seinem Weggefährten Sandro Rosell. Der wurde selbst Präsident, neidete dem damaligen Trainer Pep Guardiola aber so sehr das Rampenlicht, dass Guardiola auch deshalb von sich aus ging. Rosell stolperte dann über Unregelmäßigkeiten beim Transfer des Brasilianers Neymar vor ziemlich genau einem Jahr. Seitdem ist der Klub im Grunde nicht mehr zur Ruhe gekommen. Die Transfersperre kam wegen der unzulässigen Verpflichtung minderjähriger Spieler zustande, Barcelonas Image war beschädigt.

Nach der Aufregung der vergangenen Woche zog Bartomeu die eigentlich für 2016 vorgesehenen Präsidentschaftswahlen auf den kommenden Sommer vor. Um zum »Abbau der Spannungen im Verein« beizutragen, wie er sagte.

Ob Bartomeu dann als Präsident bestätigt wird, hängt hauptsächlich von einem Mann ab: Lionel Messi. Seinen Abschied würden die Mitglieder Bartomeu niemals verzeihen. Der viermalige Weltfußballer genießt mittlerweile einen Status, der ihn zum mächtigsten Mann im Klub erhebt. Nicht nur, weil er der erfolgreichste Torschütze in der Geschichte der Primera Division ist. Längst scheint er wichtiger geworden zu sein, als der Klub selbst, erst recht als Bartomeu. Durch seine Tore erlebte Barcelona zwischen 2008 und 2012 die erfolgreichste Epoche seiner Klubgeschichte, noch immer ist die Mannschaft von seinen Leistungen abhängig. Auch in dieser Saison ist er trotz Neymar und Luis Suarez wieder der beste Torschütze.