Was hinter dem Erfolg der syrischen Nationalelf steckt

Kein Fußballmärchen

Syrien sicherte sich sensationell einen Platz in den WM-Quali-Playoffs. Vielen Syrern ist dennoch nicht zum Feiern zu Mute. Manche wollen die Teilnahme sogar um jeden Preis verhindern. 

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Es ist eigentlich das Fußballwunder schlechthin: Am letzten Spieltag der asiatischen WM-Qualifikation steht es in Taschkent 0:0. Im Bunyodkor-Stadion treffen Usbekistan und Südkorea aufeinander. Parallel dazu liegt die syrische Mannschaft in Teheran mit 1:2 gegen den Iran hinten. Den Syrern fehlt ein Tor und somit ein Punkt, mit dem sie sich auf Grund des besseren Torverhältnisses noch an den Usbeken vorbei auf den Playoff-Platz schieben könnten. Dann läuft die dritte Minute der Nachspielzeit und Omar Al-Somah trifft tatsächlich. Es brechen alle Dämme. Auf dem Feld, in der Kommentatorenkabine, auf den Straßen des Landes. Das vom Krieg zerstörte Syrien darf endlich mal feiern – und wir alle machten mit. 

»Will nicht, dass diese Mannschaft gewinnt«

Setzt man sich genauer mit der Mannschaft auseinander, die in den Playoffs nun gegen Australien antritt, wird aus dem vermeintlichen Märchen eine Geschichte voller Kontroversen, Gewalt und Tot. Denn nicht alle Syrer sehen sich von ihrer Fußballmannschaft repräsentiert, im Gegenteil: sie wird von vielen Syrern als das »Assad-Team« beschrieben. Das »Syrische Netzwerk für Menschenrechte« schrieb einst, dass die Nationalmannschaft »Sportler und Sportereignisse nutzt, um die brutalen und erdrückenden Praktiken (des Regimes) zu unterstützen«. 

Die Mannschaft selbst sehe sich zwar als Team »aller Syrer«, aber Blicke in die Vergangenheit lassen das Gegenteil erahnen. Bei einer Pressekonferenz im November 2015 zeigten sich der damalige Trainer Fajer Ebrahim, ein Spieler und ein Teamsprecher mit Assad-Shirts. Ebrahim bezeichnete Assad einst als einen »sehr, sehr, großartigen Mann«. 

Bildquelle: channelnewsasia.com

Ein ehemaliger Ultra des syrischen Klubs FC Karameh, der mittlerweile in Berlin lebt, sagte »Zeit Online«: »Ich schäme mich nicht zu sagen, dass ich nicht will, dass diese Mannschaft gewinnt. Ich will nicht, dass sie die WM in Russland spielt, denn das wäre eine Show für das Regime.« Das amerikanische Sportmedium »ESPN«, das sich in einer umfassenden Multimedia-Reportage mit der syrischen Nationalmannschaft beschäftigte, berichtet von 38 getöteten Syrischen Fußballern, die zuvor in den ersten beiden Ligen des Landes aktiv waren. Weitere 13 seien noch vermisst. Laut dem türkischen Journalisten Anas Ammo gehen vier Morde auf den IS zurück.