Was genau in Hannover los ist

51 Prozent für einen Appel und ein Ei

Wie könnt ihr als Gruppe in den nächsten Monaten weiter vorgehen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten: Darunter interne Sanktionierungsmöglichkeiten über den Ehrenrat, ein unabhängiges Gremium innerhalb des Vereins, das über Streitfälle und vereinsschädigendes Verhalten entscheidet und daraufhin entsprechende Anweisungen geben kann. Ansonsten bleibt natürlich noch der Weg zum ordentlichen Gericht. Ein möglicher Punkt wäre da das Thema Untreue. 

Um was geht es da genau?

Die 51 Prozent der Management GmbH soll Martin Kind für nur 12.750 Euro kaufen können. Das ist natürlich ein Witz, wenn man sich bewusst macht, dass so die Kontrolle über den Geschäftsführer der millionenschweren Profigesellschaft gesteuert werden kann. Zudem kann man nach Kinds Aussagen davon ausgehen, dass die Anteile am Profifußball mit dem Wegfall von 50+1 für neue Investoren attraktiver und somit Wertvoller werden. Die aktuellen Anteilseigner, welche 2014 für die letzten Anteile des Vereins am Profifußball (15,6%) nur 3,2 Millionen Euro bezahlt hatten, wird es freuen. Martin Kind sitzt an allen wichtigen Schaltpositionen aber kauft sich dann für einen Appel und ein Ei die Geschäftsführungsbefugnis.

Wie kommt denn diese Summe von 12.750 Euro überhaupt zustande?

Die Hannover 96 Management GmbH hat ein nominelles Stammkapital in Höhe von EUR 25.000,00. Willfährig meinen der Vorstand, Martin Kind und drei Aufsichtsräte, mathematisch seien 51 Prozent der Anteile 12.750 Euro. Mehr müsse Herr Kind nicht bezahlen. Aber der tatsächliche Wert, der durch die damit einhergehende Entscheidungsmacht entsteht, wird damit gar nicht berücksichtigt. Die genannten Entscheider haben aber keine Begutachtung der Anteile vorgenommen, obwohl das gefordert und beantragt worden ist von den Aufsichtsräten Ralf Nestler und Sebastian Kramer. Herr Nestler hat demgegenüber ein umfassendes Gutachten eingeholt und den Gremien in der relevanten Sitzung vorgetragen und auch auf die Gefahr einer möglichen Untreue zu Lasten des Vereinsvermögens hingewiesen. In diesem Gutachten werden die Anteile mindestens im zweistelligen, voraussichtlich eher dreistelligen Millionenbereich bewertet.

Glauben Sie, dass es Leute geben wird, die nicht mehr ins Stadion kommen, weil die Profimannschaft dann nichts mehr mit dem eigentlich Verein, den sie unterstützen, zu tun hätte?

Sicher wird es, wenn man den Foren folgt, Leute geben, die das so sehen. Aber wir wollen, dass die Anhänger weiterhin guten Fußball zu sehen bekommen. Uns geht es darum, dass die Beschlüsse, wie sie jetzt mit knapper Mehrheit gefasst worden sind, den e.V. benachteiligen und kein demokratischer Prozess stattfindet. Deutlich wird das auch an der willkürlichen Nichtaufnahme vermeintlicher 50+1-Anhänger, deren Mitgliedschaftsanträge der Vorstand entgegen der Satzung nicht aufgenommen hat. Der Vorstand hat den Abteilungsleitern diese Entscheidung entzogen, was zwei Vorstände und ein Abteilungsleiter bestätigt bzw. eingeräumt haben. Für die Profimannschaft wird sich nicht viel ändern. Aber wir nennen uns »Pro Verein 1896«, weil wir befürchten, dass die Änderungen zu Lasten des Vereins gehen werden. Der Verein steht ohne Profifußball da, muss den Bau eines Vereinszentrums finanzieren und sich dadurch verschulden wie noch nie und der Vorstand feiert eine offensichtlich nötige Patronatserklärung für diesen Bau als Erfolg. Was hat der Ausverkauf dem Verein gebracht? Und was bringt er im Gegenzug Herrn Kind ein? Er vergisst sein größtes Kapital: die Fans und insbesondere die Mitglieder. In einem Traditionsverein wie Hannover 96 aus unserer Sicht fatal.