Was genau in Hannover los ist

»Das ist eine Mogelpackung«

Warum seid ihr als Pro Verein 1896 grundsätzlich gegen das, was gerade in Hannover passiert?

Der Verein besteht seit 120 Jahren, aus ihm ist die Fußballmannschaft entwachsen. Auch nach der Ausgliederung gab es immer eine Verbindung zwischen Profimannschaft und e.V. Durch den gestrigen Beschluss wäre diese Verbindung einfach nicht mehr gegeben. Dass die letzte Verbindung jetzt auch noch gekappt werden soll, ist ein Schlag ins Gesicht von jedem Mitglied des eingetragenen Vereins. Wichtig ist auch, dass 12.500 der 20.000 Mitglieder von Hannover 96 sogenannte Fördermitglieder sind. Die haben kein Stimmrecht. Die interessiert primär der Profifußball. Und wenn jetzt die letzte Verbindung zwischen Profifußball und e.V. aufgehoben wird, sehen wir die Gefahr, dass die Leute nicht mehr Mitglied des e.V. sein wollen, weil sie doch eigentlich Fans der Profimannschaft sind und diese fördern möchten. Alles was gerade beschlossen wird, fällt also zu Lasten des e.V. und zum Wohle von Martin Kind. 

Hannover 96 spricht von Vorteilen, die dem e.V. durch die Ausnahmeregelung zu Gute kommen würden. Dabei geht es u.a. um finanzielle Unterstützungen beim Bau eines neuen Vereinssportzentrums. Hat das Vorgehen also doch etwas gutes für den e.V.?

Das, was über die Homepage verbreitet wird und heute auch auf der Pressekonferenz bekannt gegeben wurde, ist eine absolute Mogelpackung. Weil die Vorteile, die dort als solche verkauft werden, mitunter eben keine sind. Das zeigt sich am Beispiel der Markenrechte, die dem Verein schon seit 1998 nicht mehr gehören: Aktuell ist die Situation so, dass die Markenrechte an die Sales&Service GmbH verkauft wurden und der e.V. sie kostenlos nutzen darf. Bei Eintracht Frankfurt ist es dagegen so, dass die Gesellschaft für den Profifußball jedes Jahr mehr als eine Millionen Euro an den e.V. zahlt, um die Markenrechte nutzen zu dürfen. Die Mitgliederversammlung hat beschlossen, dass sich der Vorstand darum kümmern sollte, die Rechte der Sales&Service GmbH wieder abzukaufen, in dem eine seit dem Verkauf bestehende Rückkaufoption gezogen wird. Das ist aber nur eines von vielen Täuschungsmanövern, die da drinstecken. Es wird ja auch gesagt, dass Martin Kind über 20 Jahre immer erheblich gefördert hat. 2016 hat er eine Summe von 2600 Euro an den e.V. gespendet. Da kann man drüber diskutieren, ob das wirklich »erheblich« ist.

Gibt es dafür denn einen Gradmesser? Ab wann gilt ein Engagement als »erheblich« fördernd?

Da gibt es ein Papier von der DFL, das die Kriterien genauer erläutert und besagt, unter welchen Umständen eine Ausnahmeregelung von 50+1 erteilt wird. Da steht drin, dass eine Förderung dann erheblich ist, wenn die jeweilige Person im Schnitt im gleichen Maße wie der Hauptsponsor fördert. Heißt: Wenn der Hauptsponsor pro Jahr drei Millionen Euro an den Verein zahlt, muss die Person den Verein auch im gleichen Zeitraum mit drei Millionen Euro pro Jahr fördern. Gleiches gilt für die KGaA. Und das sehen wir bei Martin Kind hinten und vorne nicht. Da gibt es viele Kriterien, die die DFL aufstellt. Und wir von »Pro Verein 1896« sind uns sicher, dass Martin Kind diese Kriterien nicht ansatzweise erfüllen kann. Also selbst wenn der Antrag auf die Ausnahmeregelung gestellt wird, was bis zum 30. September diesen Jahres passieren muss, wenn die neue Reglung für die darauffolgende Saison greifen soll, ist noch nichts entschieden. Wir setzen darauf, dass die DFL das erkennt, in Kombination damit, dass Mitgliederbeschlüsse im Verein ignoriert wurden, sodass die DFL dem eigentlich gar nicht zustimmen kann. 

Heißt unterm Strich: 50+1 ist in Hannover noch nicht Geschichte.

Nein, absolut nicht.