Was genau in Hannover los ist

»50+1 ist nicht tot!«

Die Situation bei Hannover 96 ist undurchsichtig. Übernimmt Martin Kind den Klub komplett? Robin Krakau vom Kind-Gegner »Pro Verein 1896« erklärt, warum längst nicht alles verloren ist.

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Herr Krakau, vorgestern tagte der Aufsichtsrat von Hannover 96, um über einen Beschluss des Vorstandes zu entscheiden, die 50+1-Regel aufzuheben. Um was ging es genau?

Am 14. Juni beschloss der Vorstand, dass 51 Prozent der sogenannten Hannover 96 »Management GmbH«, die zu 100% dem Stammverein gehört, an Martin Kind verkauft werden sollen, wenn er dafür eine Ausnahmegenehmigung der DFL erhält. Dem stimmte der Aufsichtsrat vorgestern mit 3:2 Stimmen zu. Was bedeutet, dass Martin Kind, sofern der Beschluss rechtens ist und wenn die DFL seinen Antrag genehmigen sollte, in Hannover die 50 +1 Regel abgeschafft hätte. Kind glaubt nicht, auf anderem Wege Investoren zu finden, wie es alle anderen Profivereine ohne Abänderung der 50+1 Regel geschafft haben. 

Wo liegt sein Problem bei der aktuellen Struktur?

Er sagt: Wenn ich bei der KGaA, also bei der Profimannschaft, gut wirtschaften soll, müssen die Investoren hier auch das Sagen haben. Und solange der e.V. mitbestimmt, wer Geschäftsführer wird, habe ich das nicht. Bisher war und ist Kind aber, mit Ausnahme einer Unterbrechung vor gut zehn Jahren, selber der Geschäftsführer. Er vertraut den Mitgliedern nicht, dass diese die Investoreninteressen berücksichtigen. Diese Denkweise macht ihn für vernünftige Vorschläge und Lösungen, die auch die Interessen des Vereins hinreichend und dauerhaft berücksichtigen würden, unempfänglich.

Was genau ist denn diese Management GmbH? 

Das Konstrukt in Hannover ist so aufgebaut: Es gibt den eingetragenen Verein, den e.V., und die sogenannte Hannover 96 KGaA, in die die Profiabteilung von 96 ausgegliedert ist. Sie hält auch die Lizenz am Profifußball. Deren Geschäfte führt die Management GmbH. Bisher durfte formell der e.V. bei der Bestellung des Geschäftsführers mitbestimmen. In der Realität bestimmte aber, mit einer Unterbrechung vor gut 10 Jahren, Martin Kind die Geschäftsführung bzw. übte diese aus. Jedoch ist es eine Lizenzbedingung der DFL, dass die Management GmbH zu 100% dem Mutterverein gehören muss, um die Einhaltung von 50+1 zu gewährleisten. Auch wenn alle Kapitalanteile am Profifußball in Investorenhand liegen, hat der Verein über die Management GmbH entscheidenden Einfluss auf die Bestimmung der Geschäftsführung und damit auf den Profifußball. Dieses Modell ist für Vereine, die in eine KGaA ausgegliedert haben, verpflichtend vorgeschrieben.

Nach dem Beschluss muss Martin Kind einen Antrag auf die Ausnahmegenehmigung stellen. Es gibt aber einen wirksamen Beschluss der Mitgliederversammlung, der das untersagt. Den interpretiert Kind jedoch öffentlich als »Empfehlung«. Wie ist das zu verstehen?

Martin Kind sagt von sich, dass er Hannover 96 seit 20 Jahren maßgeblich fördert, was er den Mitgliedern aber bisher nicht belegen konnte. Auf den letzten Metern möchte er natürlich nicht seine Felle davon schwimmen sehen, auf Grund von Vereinsmitgliedern, die laut ihm sowieso keine Ahnung haben. Deswegen möchte er Fakten schaffen, die dann nur noch schwierig zurückzudrehen sind.