Was geht ab in Liga Zwei?

Krontiris und das Tor der Woche

Ein unentbehrlicher Dreier, ganz harmlose Jako-Kugeln, ein Kranich auf bunten Pillen, alte Gäule mit Gelenkschmerzen und ein allzu selbstkritischer Torwart: Der abgelaufene Spieltag der 2. Bundesliga in der 11FREUNDE-Rückschau! Was geht ab in Liga Zwei?
Emmanuel Krontiris machte keinen Hehl draus: Er fand seinen ersten Saisontreffer dufte und will ihn nun als »Tor der Woche« in der Sportschau sehen. Schon dreimal sei er in den Top-Fünf gewesen, jetzt könne er auch mal ganz oben landen, meinte der Koblenzer grinsend im DSF-Interview. Der TuS hatte er mit seinem Einschuss zum 1:0 maßgeblich dabei geholfen, Ahlen in der Tabelle wieder zu schlucken. Ein unentbehrlicher Dreier für das vormalige Schlusslicht.

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Umso erfreulicher, aus dem Mund des Torschützen nicht nur ein obligatorisches Egal-wer-die-Tore-schießt-die-Mannschaft-ist-wichtig zu hören. Und das völlig zu Recht, denn der Krontirissche Sonntagsschuss in der 42. Minute war ohne Frage ein unorthodoxer und darum sehenswerter Flattermann. Ein kurzer Rückblick: Die Kopfabwehr von Ahlens Döring fällt auf Krontiris' linken Schlappen. Die Koblenzer Zehn nimmt das Spielgerät aus knapp 30 Metern beherzt volley. Der Ball hebt ab. Steigt. Fliegt. Segelt. Driftet. Und sackt plötzlich ins Toreck neben den verdutzten Kirschstein ab. Nein, es war nicht der gefürchtete »Jabulani« aus dem Hause Adidas. Nur eine harmlose Jako-Kugel. Doch die Flugbahn glich der eines Kranichs auf Pillen.  

Wie ein Kranich auf Pillen

Krontiris' 1:0 war einer der ganz, ganz rar gesäten Glanzpunkte in der Keller-Schlacht, die ihrem Ruf, ein dreckiges Spiel zu werden, gehorsam folgte. Untermalt wurde die Veranstaltung auf Sky dafür von unterhaltsamen, doch teils rätselhaften Verbal-Einwürfen durch Altmeister Ulli Potofski. Zum Beispiel über Ahlens Julian Jenner: »Mit den Händen vorm Gesicht sieht der aus wie Kevin Großkreutz, achten Sie mal drauf.« Oder zur Qualität des Spiels: »Das ist hier eher Kolonialstil.« Nun ja.

Als Andreas Glockner den Deckel für die Koblenzer mit dem 2:0 in der Nachspielzeit drauf machte, war Potofski gedanklich längst ein paar Kilometer weiter westlich auf Schalke, wo sein Herzensklub in Kürze auf Stuttgart treffen sollte. Glockner drückte einen 40-Meter-Schussversuch von Christian Müller – bei dem der Ball über die zerfledderte Ahlener Wiese hoppelte wie ein alter Gaul mit Gelenkschmerzen – in das leere Gehäuse. RWA-Schlussmann Kirschstein wollte zuvor bei einem Freistoß mithelfen und war noch nicht wieder hinten.  

Ein alter Gaul mit Gelenkschmerzen

Hinten und vorne dicht hielt die SpVg Fürth daheim gegen Union Berlin. Die Gäste waren in neuen Trikots (verkleidet als Eintracht Frankfurt) angereist , was ihnen jedoch keine erkennbaren Vorteile einbrachte. Das 0:0 war die erste Vorführung der Saison im Playmobil-Stadion, die kein Tor zu bieten hatte. Ein ziemlich fader Kick, an dem in erster Linie die Schlussmänner – beiden Griff auch das Glück unter die Arme – ihre Freude hatten. Bei den Gastgebern stand wieder der aufblühende Max Grün zwischen den Pfosten. Und er hielt dufte. Wertvollste Paraden zeigte er in der Schlussphase, wehrte Mattuschkas Freistoß und Bembens Nachschuss mit den Reflexen eines Autobahnblitzers ab.

Für den jungen Grün läuft die Karriere somit weiter wie gemalt: Die vorherige Nummer eins, Stephan Loboué, verwies er auf die Bank, nachdem dessen Verletzung überstanden war. Seit dem 22. Spieltag steht Grün nun fest im Kasten. Anfang März flatterte die Vertragsverlängerung ins Haus und nun arbeitet der 22-Jährige erfolgreich an einem Rand-Projekt. Nämlich das 1000. Gegentor in der Zweitliga-Historie der Franken möglichst weit heraus zu zögern. Der Zähler steht bei 999, viermal am Stück blieb das Netz hinter Grün zuletzt unberührt.  

Mit den Reflexen eines Autobahnblitzers

Anderenorts wurden die Maschen dafür bis zum Geht-nicht-mehr beansprucht. Zum Beispiel am Hamburger Millerntor, wo Pauli und Oberhausen es satte acht Mal klingeln ließen. Nach ihrer spektakulären und nervenzersägenden 5:3-Sause dürfen die Kiezkicker und ihre Anhänger wieder wohlgemut aufs Tableau gucken. Immerhin mussten die Konkurrenten Bielefeld, Düsseldorf und Augsburg an diesem Spieltag jeweils hungrig ins Bett, während sich die Braun-Weißen den Wanst vollschlugen. Nach zuvor nur einem Treffer in vier Spielen waren sie wieder auf den Geschmack gekommen, ließen aber auch ihre Gäste vom Rhein ordentlich zulangen. Dennoch bliesen die Kleeblätter, insbesondere der glücklose Tormann Christoph Semmler, nach der Pleite Trübsal. »Weil wir heute ohne Torwart gespielt haben«, lautete Semmlers bedrückte Antwort auf die Frage vom DSF, warum sein Team denn verloren habe.  

Bei den Bielefelder Arminen hätte die Antwort nach dem 1:2 auf dem Aachener Tivoli wohl kurz und knapp »Benjamin Auer« geheißen. Denn der mit meilenweitem Abstand erfolgreichste Alemannen-Angreifer strich bereits seinen vierten Doppelpack in der laufenden Saison ein. Beim ersten Einschuss mutierte der Sturmbulle kurzzeitig zu einer leichtfüßigen Katze, wand sich nach Nemeths Zuspiel grazil um Gegenspieler Nils Fischer herum und schob flach zum 1:0 ein. Das zwischenzeitliche 1:1 durch Fort entwertete Auer noch vor der Pause. Diesmal servierte Adlung seinem Käpt'n butterweich zum Siegtor, sodass dieser nun auf zwölf Saisontore zurückblickt.  

»Weil wir ohne Torwart gespielt haben«

Die Retrospektive auf seine insgesamt zweite Partie als Bielefelder Interimstrainer dürfte bei Detlev Dammeier hingegen ein mulmiges Magengefühl hervorrufen. Zwar fighteten seine Mannen anständig, doch eine Belohnung dafür gab's nicht. Ein Tritt gegen die Trainerbank, ein wütendes Ausspucken nach Auers zweitem Tor – das sollte Dammeiers letzter Emotionsausbruch für diesen Tag bleiben. Anders die Bielefelder Anhänger: Sie forderten den »Geschäftsführer Sport« von den Rängen aus lauthals zum Aufhören auf.  

Das Ende des Spieltags bestreiten dann am Montag die Duisburger Zebras und die Münchner Löwen. Der MSV dürfte nach den Resultaten der Konkurrenz im oberen Tabellendrittel Lunte gerochen haben und bestrebt sein, den Sprung auf Rang vier zu nehmen. Doch mit 1860 kommt ein Gegner, der zum einen kaum etwas zu verlieren hat und zum anderen gegen Duisburg meist gut aussah: Nur in einer von sieben Zweitliga-Begegnungen heimste der MSV die volle Punktzahl ein. Und das war nicht das Hinspiel vom 17. Oktober. Da nämlich bezwang München seinen Gast mit 3:1 und stürzte die Meidericher auf Rang 13. Kurze Zeit später musste Coach Peter Neururer Adieu sagen.