Was geht ab in Liga Zwei?

Halbstark im Wildpark

Wie ewiger Schnee Fußballfans zu Schleudern werden lässt, wieso ein Ex-Fürther für Ärger im Playmobil-Stadion sorgte und warum Paderborns Frank Löning seinen Beinamen nicht los wird – all das in unserem Zweitliga-Rückblick! Was geht ab in Liga Zwei?
Aufstiegswasauchimmer

In dieser Saison vergeht keine Fußball-Übertragung oder -Zusammenfassung mit Beteiligung des SC Paderborn, in der Frank Löning nicht von Repoterseite mit der Apposition »Aufstiegsheld« versehen wird. Keine Angst, hier bleibt Ihr von dieser Vokabel verschont! Dabei war es im Aufsteigerduell gegen Union Berlin schon wieder ausgerechnet Aufstiegs-Gott Löning, der das 3:0 erzielte. Trainer André Schubert schickte den Aufstiegs-Titan in der 83. Minute auf den Rasen, woraufhin dieser direkt nach 17 Sekunden einnetzte. Womöglich hätten die Ostwestfalen die Eisernen auch so besiegt, viel schöner ist doch aber ein Sieg, wenn Aufstiegs-Ikone Löning trifft.

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Doch nicht nur der Aufstiegs-Ostfriese durfte an diesem Tag einen Treffer bejubeln. Eine zentrale Rolle kam auch Mahir Saglik, für den Löning eingewechselt wurde, zu. Noch im ersten Durchgang vergab der Mann aus dem Wolfsburger Meisterkader der Vorsaison alles, was es zu vergeben gab. Und das war einiges. Doch dann die 67. Minute: über zwei Stationen kommt die Kugel aus der eigenen Hälfte zu Saglik, der lässt Keeper Jan Glinker jenseits des Sechzehners kaltblütig aussteigen und schiebt zum 1:0 ins leere Gehäuse ein. »Eine Riesen-Befreiung«, habe er gespürt, wie er später beim DSF zu Protokoll gab. Ähnliche Erfahrungen machten auch die Paderborner Anhänger beim Treffer zum 2:0.

Als das Spielgerät unter Glinkers Rippen hindurch flutschte und gefühlte Minuten lang auf das abermals verwaiste Berliner Tor zu rollte, versuchten die Fans mit allem, was ihnen an Dezibel zur Verfügung stand, den Ball über die Linie zu brüllen. Doch den Job erledigten schließlich Glinker und Sören Brandy – mit einer Grätsche irgendwo zwischen Jürgen Kohler und Spiderman – in Co-Produktion. So hängt der Haussegen an der Pader nach zuletzt zwei Niederlagen wieder Wasserwaagen-gerade.

Schneeballschlacht der Halbstarken

Davon können sie in Karlsruhe derzeit nur träumen. Denn im Wildpark lief am Samstag wieder so einiges daneben. Nicht nur, dass der KSC im vierten Versuch 2010 bereits die vierte Pleite erlebte. Im Duell der Bundesliga-Absteiger mit Energie Cottbus sorgte zudem eine Gruppe Halbstarker im KSC-Block für eine zehnminütige Unterbrechung der Partie, in der die Heimelf bis dato die Hosen angehabt hatte. Die jungen Randalierer malträtierten den Cottbuser Jiayi Shao vorm Ausführen einer Eck mit Schneebällen (mal ganz was Neues in diesem Winter…) und feierten sich anschließend feixend selbst vor laufender TV-Kamera. Das Bildmaterial sichtet inzwischen die Polizei.

Und natürlich brachte die knapp zehnminütige Spielpause der Heimelf rein gar nichts ein. Stattdessen schien die Schneeball-Attacke ein willkommener Kick für die bis dahin blutleeren Cottbuser zu sein. Sie wachten jetzt auf, fighteten sich zurück ins Spiel und zack: die Führung. Den öffnenden Pass auf Emil Jula, dessen Hereingabe Nils Petersen dann ins Tor chippte, spielte Shao und durfte somit feststellen: Rache ist Blutwurst. Jula setzte später sogar noch einen zum 2:0-Endstand für die Lausitzer drauf. Der KSC war geschlagen, nachdem Energie zuvor viermal am Stück im Wildpark punktlos ausgegangen war. Den KSC-Fans blieb in der Schlussphase nur noch ein kollektives »Wiiir haaam diiiee Schnauze voll, wir ham die Schnauze voll…!!«

Thurk, das Phänomen

Den Hals überhaupt nicht voll kriegen kann weiterhin Michael Thurk. Das Phänomen der Liga hat seine üble Krise (letzte Woche gegen Union traf er erstmals in diesem Jahr über 90 Minuten nicht!) überwunden. Nach dem Tor im Pokal gegen Köln gab er auch in der Liga gegen Düsseldorf wieder den Matchwinner – das 1:0 machte Thurk selbst, das zweite durch Rafael bereitete der 33-Jährige vor. Nach seinem 20. Saisontreffer öffnete Thurks Torjubel den Spekulationen der Zuschauer Tür und Tor: Aus seiner rechten Hand formte er einen Telefonhörer, hielt ihn sich ans Ohr und legte ihn schließlich auf die virtuelle Gabel. Da wartet wohl einer auf Jogi Löws Anruf, dachten sich die meisten.

Doch Thurk, den die Debatte um seine WM-Berufung nach eigenem Bekunden sehr amüsiert, wollte sich mit der Telefon-Geste bei einem Unbekannten bedanken. Denn beinahe hätte der Goalgetter in seinem Hotelzimmer verpennt. Doch gerade rechtzeitig rief ihn der mysteriöse Anonyme an und legte ohne einen Laut wieder auf. »Sonst hätte ich wohl weiter geschlafen und wäre nicht aufgestellt worden...«, mutmaßte Thurk bei Sky. Zu klären bleibt, wer dem Stürmer diesen Gefallen getan hat. Bitte bei Düsseldorf-Trainer Norbert Meier melden, der wird sich bedanken...

Der Röslersche Doppelpack

Ein dickes Dankeschön durften am Sonntag alle Sympathisanten von 1860 München an Sascha Rösler richten. Immerhin rettete dieser die drei Punkte beim Bayern-Derby in Fürth: Im Playmobil-Stadion, wo Rösler von 2002 bis 2005 für die Franken auflief, war er nicht nur am frühesten wach, sondern auch am längsten. So traf der Mittelfeldmann bereits in der ersten Minute zur Gäste-Führung und machte eine Zeigerumdrehung vor Ablauf der 90 Minuten den 2:1-Sieg für seine Löwen klar. Doppelt spektakulär wird der Röslersche Doppelpack angesichts der Tatsache, dass der Mann mit der 10 auf dem Rücken zuvor in dieser Spielzeit noch kein einziges Mal eingelocht hatte für die Sechziger – in der Vorsaison nur einmal. Die Schmach vom Ahlen-Spiel ist dank des späten Dreiers fürs Erste vergolten und »Zettel Ewald« Lienen durfte sein Tagewerk mal wieder mit einer Positiv-Schlagzeile abschließen.