Was für 2 x 30 Minuten spricht - und was dagegen

Das Ende der Krämpfe

Wird bald auch im Fußball die Zeit gestoppt wie beim Basketball? Erleben wir also bald schon das Ende der sagenumwobenen 90 Minuten? Und: Wäre das überhaupt so schlimm? Der Regelvorschlag in der Diskussion.

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Warum uns die Netto-Spielzeit alle glücklich machen könnte
Zugegeben, das International Football Association Board (IFAB) ist im Moment eine echte Landplage. Vorschläge zur angeblichen Optimierung des Spiels gibt es im Dutzend, manche davon, wie etwa ein Tor- oder Punktabzug nach Kritik am Schiedsrichter, sind zu abstrus, um sich näher damit zu beschäftigen. Und eben erst zeigt der Videobeweis, wie eine vermeintlich heilsbringende Innovation für mehr Verwirrung als Besserung sorgt.

Zu allem Überfluss will uns das IFAB nun also auch noch unsere 90 Minuten nehmen und den seligen Sepp Herberger (»Das Spiel dauert 90 Minuten«) zu einem staubigen Relikt der Fußballgeschichte machen. Stattdessen soll ein Fußballspiel fortan schlanke 60 Minuten währen und dafür bei jeder Unterbrechung die Uhr angehalten werden.

Doch bevor jetzt gleich alle in Schnappatmung verfallen, muss ich feststellen, dass ich ausgerechnet diesem Vorschlag eine gewisse Sympathie entgegenbringe. Ja, natürlich sind die tradierten 90 Minuten eine der großen sinnstiftenden Regeln des Spiels. Und sicher würde ihre Änderung den Graben zwischen Profi- und Amateurfußball vertiefen, weil die Umsetzung eine technische Präzision erforderte, die in unteren Klassen kaum zu leisten wäre.

Den Versuch wäre es wert

Gleichzeitig würde diese Neuerung aber wesentlich zur Attraktivität der Schlussphasen von Fußballspielen beitragen. Was will man in den Minuten, in denen es Spitz auf Knopf steht? Offenen Schlagabtausch, hin und her wogenden Kampf, Menschen am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Was man dagegen nicht sehen will: Spieler, die sich nach ihrer Auswechslung beim Schiedsrichter bedanken, die Kapitänsbinde weiterreichen, beim Publikum bedanken und gemächlich vom Feld traben. Oder Kollegen, die sich nach einer leichten Berührung (oder gegebenenfalls auch ohne) am Boden wälzen, als hätte ihnen unvermittelt der Sensenmann ins Gemächt gekniffen.

So hart die Abschaffung der 90 Minuten der traditionell gestrickten Fußballseele auch zusetzen würde, so würde diese Revolution doch andererseits das Ende des Zeitspiels bedeuten. Wetten, dass Wadenkrämpfe bei austrainierten Profifußballern auf einen Schlag unbekannt wären? Und wie spannend Schlussminuten verlaufen können, lässt sich beim Eishockey beobachten, einer Sportart, in der jede Sekunde zählt. Den Versuch wäre es wert.

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