Was in Dortmund wirklich passierte

Überrumpelte Polizei, wüste Aggression

Die Dortmunder Gewalt gegen Leipziger Anhänger war entsetzlich. Doch wie konnte es überhaupt dazu kommen? Was sagen die Betroffenen und die Polizei? Wir haben uns umgehört und Überraschendes erfahren.

imago

Endlich einmal ins Westfalenstadion. Als Tabellenzweiter gegen die kriselnden Dortmunder antreten. Vielleicht sogar die Punkte mitnehmen, die Borussia zumindest für diese Spielzeit bei dann 14 Punkten Vorsprung hinter sich lassen, und den Sieg später bei einem Bier im Sonderzug feiern. Das war der Plan von etwa 1.000 Leipziger-Fans, die am Samstag gegen 11 Uhr in Richtung Dortmund aufbrachen. 

»Wir waren froh, dass der Treffer in letzter Minute nicht gezählt hat. Keine Ahnung, was dann noch passiert wäre«, sagt Frank, dessen Herz manchmal noch am Ballspielverein hängt, der aber vor einigen Jahren den neuen Verein in seiner Heimatstadt Leipzig entdeckte. 

Echte Liebe, echter Hass

Er war im Sonderzug, und vor Anpfiff auch mitten drinnen in den Ausschreitungen vor der Roten Erde. Diese sind aktuell das große Thema im deutschen Fußball. Verletzte Fans, verletzte Polizisten, alles dokumentiert auf Facebook, YouTube, Twitter. Echte Liebe, echter Hass.

Der Innenminister fordert Gefängnisstrafen für die, die »in Wahrheit« keine Fußballfans sind. »Die Polizei war unterbesetzt«, sagt Frank. »Der BVB und die Polizei haben das Gewaltpotential unterschätzt.«

Dortmunder Fans reklamieren das Spiel für sich

Bereits am Samstag-Vormittag sind in der Dortmunder Innenstadt Plakate aufgetaucht. Nicht näher gennannte Fans reklamieren dort das Spiel für sich. »Red Bull? Verpisst Euch! Der Fußball gehört uns« oder »Möllerbrücke hasst Red Bull!« ist dort zu lesen. Der Aufritt der Leipziger fiel in eine unruhige Phase in Dortmund.


Sportlich läuft es seit Wochen nicht rund. Geschäftsführer Watzke redet unentweg, der Trainer steht in der Kritik, einige Fans wenden sich voller Pathos vom modernen Fußball ab. Sie haben genug von FIFA, UEFA, ECA, DFB, DFL, den Internationalisierungsplänen ihres Vereins. Skandale gab es in den letzten Jahren genug.

Hatte die Polizei eine falsche Strategie?

RB Leipzig, die manchmal Rasenballsport und manchmal RaBa genannt werden, um den großen Feind nicht zu benennen, steht in den Augen vieler Fans, gerade in den Augen der aktive, für genau diesen modernen Fußball, von dem es sich abzuwenden gilt.

Sie treiben die Kommerzialisierung des Fußballs mit der Aushebelung von 50+1, mit ihrem Farmteam in Salzburg und letztendlich auch durch ihren Erfolg auf die Spitze. Unter der Woche kündigt das Bündnis Südtribüne einen Protest an. Mehr geben sie nicht preis. 

Dieser beginnt am frühen Samstag, und er wird sich bis ins Stadion ziehen. Trotzdem werden die Leipziger Fans am Bahnhof von nur wenigen Polizisten empfangen. »Wir haben keine rechtliche Handhabe den Gästefans so zu begegnen«, sagt Cornelia Weigandt, Pressesprecherin der Dortmunder Polizei. »Wir haben sie nicht mit einer großen Zahl an Polizisten in Empfang genommen, da von ihnen keine Gefahr ausging.«