Was Dokumentarfilmer bei Atlas Delmenhorst erlebt haben

»In der Kabine, auf dem Spielfeld, bei den Fans«

Der traditionsreiche SV Atlas Delmenhorst ist 2012 neugegründet worden und seitdem von der Kreisklasse in die Oberliga aufgestiegen. Jetzt ist die Erfolgsgeschichte verfilmt worden. Wir haben mit dem Produzenten gesprochen.

Niklas Kreikebaum

Niklas Kreikebaum, Sie sind einer der Macher der Doku über Atlas Delmenhorst. Waren Sie schon immer Fan des Vereins?
Nein. Meine Freundin ist in Delmenhorst aufgewachsen und ihr Vater ist bei Atlas als Schatzmeister tätig. Der hat mich herangeführt und mir die positive Verrücktheit der Delmenhorster vemittelt.

Deshalb also der Film?
Der Auslöser war ein Besuch im Stadion. Man kennt den Amateurbereich mit zweihundert Zuschauern und auf dem Platz wird gepöbelt: »Der hat doch schon Rot«. In Delmenhorst war das ganz anders: eine große Sitzplatztribüne, über 1.000 Zuschauer, Stimmung aus zwei Fanblöcken. Es gab eine ganz andere Atmosphäre mit einem Stadionsprecher und Werbepartnern bei jeder Ein- und Auswechslung – das ist ein völlig anderes Amateurfußballerlebnis.

Und das allein macht Atlas Delmenhorst so besonders?
Außerdem ist es ein Amateurverein, der in der Vergangenheit Regionalliga und zweite Liga gespielt hat, 2001 aber insolvent gegangen und für zehn Jahre von der Bildfläche verschwunden ist. Erst 2012 hat sich der Klub neugegründet.

Ist das auch die Geschichte des Films?
Zum einen beinhaltet die Geschichte den traurigen Niedergang eines Vereins, wie ihn viele erlebt haben, zum Beispiel im Ruhrgebiet. Zum anderen geht es um die Wiedergeburt: Sich gemeinsam einen Namen zu machen, eine Geschichte von Tradition und Fankultur, die zur Erfolgsgeschichte geworden ist. Was dem Film am Ende sein Gänsehautmoment verleiht, ist der Aufstieg in die Oberliga mit einem absoluten Herzschlagfinale. Das hat mich an die Schalker »Meisterschaft der Herzen« 2001 erinnert.

Also haben Sie mit der Kamera draufgehalten?
Ja, wir haben im letzten Jahr die komplette Rückrunde bis nach Saisonschluss begleitet, sind bei den Spielen vor Ort gewesen und haben Vereinsfunktionäre, Fans und Spieler interviewt. Wir durften ganz nah dran sein: In der Kabine, am Spielfeldrand, auf dem Spielfeld, bei den Fans. Anfang dieses Jahres haben wir Premiere gefeiert mit 450 Zuschauern in Fan-Klamotten und mit Standing Ovations. Das hat uns Filmemacher für all die Strapazen entlohnt.