Was die rassistischen Vorfälle in Cagliari über Italiens Fußball aussagen

Zweitausendneunzehn

Am Sonntag beleidigten Zuschauer Mailands Romelu Lukaku rassistisch. Es ist ein weiterer Fall von Fremdenhass in Italien - und nicht der erste in Cagliari.

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Wie sehr ein Mensch den Fußball lieben muss, wird manchmal erst klar, wenn er über Fortuna Düsseldorf spricht. »Thierry, hast du Fortuna Düsseldorf gesehen?« »Sei nicht dumm. Ja, selbstverständlich.« Es ist eine kleine Episode aus dem Leben von Romelu Lukaku, dem belgischen Nationalspieler, Debüt im Alter von 16 Jahren und 11 Tagen bei RSC Anderlecht, aufgewachsen in ärmsten Verhältnissen, mittlerweile Superstar, Multi-Millionär, Fußball-Romantiker.

Die coolste Sache der Welt

Die Unterhaltung zwischen ihm und Thierry Henry, einst Co-Trainer von Belgien, fand am Rande einer Länderspielpause statt. Henry, schrieb Lukaku in einem Aufsatz über sein Leben für »The Players Tribune«, sei vielleicht der einzige Mensch, der mehr Fußball schaue als er selbst. Selbstverständlich auch 2. Bundesliga. Sie würden über alles diskutieren. Über jedes Spiel, jede noch so kleine Auffälligkeit. Zwei Männer und ihr Sport. »Für mich«, schrieb Lukaku, »ist das die coolste Sache der Welt.« 

Am Wochenende wurde Lukakus Liebe zum Sport auf die Probe gestellt. Er spielt mittlerweile für Inter Mailand und im Liga-Spiel gegen Cagliari Calcio hatte Schiedsrichter Maurizio Mariani auf Strafstoß entschieden. Und so schnappte sich Lukaku den Ball.

Volle Kraft

Der 26-Jährige gilt als konsequenter Spieler, schnörkellos. »Jedes Spiel, das ich jemals gespielt habe, war ein Finale. Als ich im Park gespielt habe, war es ein Finale. Als ich in der Kindergartenpause spielte, war es ein Finale. Ich meine es verdammt ernst. Ich habe jedes Mal versucht, die Hülle von der Kugel abzureißen, wenn ich geschossen habe. Volle Kraft. Wir haben nicht R1 gedrückt, Bruder. Kein Finessenschuss. Ich hatte keine neue FIFA. Ich hatte keine Playstation. Ich habe nicht rumgespielt. Ich habe versucht, dich zu töten.«

Am Sonntagabend stand Romelu Lukaku, der sonst notfalls jeden töten würde, am Elfmeterpunkt und es schien, als stießen Tränen in seine Augen.