Was die italienische Serie A zu Saisonbeginn erwartet

Die Mission des Kevin-Prince Boateng

So ist auch die Freude über die Rückkehr von Parma drei Jahre nach Abstieg und Insolvenz etwas gedämpft. Erstmals seit 2015 sind damit die »sette sorelle«, die einstmals dominierenden sieben Schwestern der Serie A, wieder komplett. Ende der Neunziger und Anfang der Zweitausender lieferten sich Juve, Inter und AC Mailand, AS und Lazio Rom sowie Florenz und Parma mit zahlreichen Weltklassespielern enge Rennen um die Titel. Nun spielen sie zwar wieder gegeneinander, auf Augenhöhe sind sie aber schon lange nicht mehr. Aus sieben Schwestern sind eine unnachgiebige Alte Dame und ihre sechs mehr oder weniger kleinen Nichten geworden. Sollte Juve vor lauter Sehnsucht nach der Champions League die Liga nicht kolossal unterschätzen, geht der Titel auch nach sieben Meisterschaften in Folge nur über die Mannschaft um die deutschen Nationalspieler Emre Can und Sami Khedira.

Inter wird als ärgster Verfolger gehandelt

Der größte Konkurrent der Turiner kommt in dieser Saison vermutlich nicht mehr aus Neapel oder Rom, sondern mal wieder aus Mailand. Unter dem neuen chinesischen Besitzer Suning scheint Inter langsam wieder zu alter Stärke zu finden. In der vergangenen Saison hatte sich das Team um Kapitän Mauro Icardi erstmals seit sechs Jahren für die Champions League qualifiziert und mit Radja Nainggolan, Stefan De Vrij und Keita Baldé sind vielversprechende Neuzugänge hinzugekommen. Auch wenn es mit dem angestrebten Transfer von WM-Star Luka Modric nicht geklappt hat, geht Inter als erster Verfolger von Juve in die Saison.

Das liegt auch daran, dass der SSC Neapel nach dem Abgang von Trainer Maurizio Sarri zu Chelsea noch mit Nachfolger Carlo Ancelotti fremdelt. In den Testspielen gab es teilweise heftige Niederlagen und die Neuzugänge um den ehemaligen Gladbacher Amin Younes deuten nicht gerade auf eine Verbesserung des Kaders hin. Dazu kommt ein hartes Auftaktprogramm, an den ersten beiden Spieltagen geht es gegen Lazio und den AC Mailand.

Kann Boateng überraschend?

Bei den Rossoneri zeigt der Trend nach einem schwierigen Sommeranfang zuletzt nach oben. Erst gab es einen unfreiwilligen Eigentümerwechsel, dann wurden die Mailänder wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay aus der Europa League ausgeschlossen. Die nächste Instanz hob das Urteil allerdings auf und trotz der finanziellen Einschränkungen konnte sogar Gonzalo Higuain von Juve verpflichtet werden. Mindestens genauso viel Anteil am Optimismus wie der argentinische Stürmer haben jedoch die personellen Entscheidungen auf der sportlichen Führungsebene. Mit Trainer Gennaro Gattuso, Sportdirektor Leonardo und dem neuen strategischen Direktor Paolo Maldini weht ein Hauch der erfolgreichen Vergangenheit durch den Verein. Für Titel wird das zwar noch nicht reichen, im Rennen um die Champions-League-Qualifikation könnte Milan der Konkurrenz aus Neapel, Rom und Mailand aber Probleme bereiten.

Zurück in den europäischen Wettbewerb will auch Kevin-Prince Boateng. Vom DFB-Pokalsieger Eintracht Frankfurt ist der Berliner zu Sassuolo Calcio gewechselt. Großen Anteil an der Rückkehr nach Italien hat seine Frau Melissa Satta, die ihren Lebensmittelpunkt immer noch in Mailand hat – da ist das nahe Bologna gelegene Städtchen Sassuolo doch deutlich günstiger zu erreichen als Frankfurt. Nur für das Familienleben und ein bisschen Dolce Vita ist Boateng aber nicht gewechselt. »Ich wollte schon lange nach Italien zurückkommen und ich hoffe, dass wir Sassuolo wieder nach Europa bringen«, sagte Boateng bei seiner Vorstellung. Wenn er weiter so gut trifft wie in der Vorbereitung (7 Tore), könnte sein Team eine der positiven Überraschungen der Saison werden. Das dürfte bei den enormen Erwartungen Cristiano Ronaldo kaum gelingen.