Was die Freiburger Lärmschutzverordnung wirklich bedeutet

Rechtsweg ausgeschlossen

Der SC Freiburg darf nach einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs im neuen Stadion keinen Fußball am Abend oder Sonntagnachmittag austragen. Die 11FREUNDE-Rechtsabteilung klärt alle wichtigen Fragen.

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Am Mittwochnachmittag stand die Welt in Freiburg-Brühl für einen kurzen Moment still. Eine grundsätzlich gute Nachricht: Schließlich muss der Beton des neuen SCF-Stadions gerade trocknen, da wären erhebliche Beben der Struktur des Neubaus abträglich. Aber natürlich war die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs für die Freiburger Verantwortlichen ein Schock. Demnach dürfen Fußballspiele »aus Gründen des Lärmschutzes nicht in den täglichen Ruhezeiten zwischen 20:00 Uhr und 22:00 Uhr, den sonntäglichen Ruhezeiten zwischen 13:00 Uhr und 15:00 Uhr sowie der Nachtzeit ab 22:00 Uhr« ausgetragen werden.

Wer entscheidet demnächst?

Ein Satz, der sich langweiliger liest als ein 0:0 in der dritten estnischen Liga und doch mehr Auswirkungen auf die Bundesliga hat als - nun ja - ein 5:0 in der dritten estnischen Liga. Denn laut diesem Urteil dürfte der Sport-Club im neuen Stadion, in dem ab der kommenden Saison gespielt werden sollte, keine Heimspiele austragen am Freitag-, Samstag- und Montagabend. Auch der Sonntagnachmittag bei einer Anstoßzeit um 13.30 Uhr ist tabu. Spiele in internationalen Wettbewerben wären ebenfalls ausgeschlossen.

Für Kopfschütteln sorgte bei allen Beteiligten bereits, dass ein einfacher Verwaltungsgerichtshof - also ohne Bundes- oder Ober- im Namen - solche grundlegenden Urteile sprechen dürfte. »Wo kommen wir hin?«, fragten empörte SCF-Fans gegenüber 11FREUNDE, »Wer entscheidet demnächst? Das Sportgericht? Der DFB-Ethikrat? Lächerlich.«

Vorbild: Nachtflugkopfballverbot

Und auch wenn die Anwohner vor den Geschworenen einen Erfolg feierten, ergeht es dem SC Freiburg wie Volker Finke 1997, wenn der Topstürmer verletzt auf dem Rücken lag. Guter (Thomas) Rath ist zwar teuer, aber (Uwe) Wassmer wissen: Irgendwie lässt sich der (Uwe) Spies schon umdrehen.

Weil es sich allein um einen Lärmbelästigungsschutz handelt, dürfte der Club seine Heimspiele gegen den VfL Wolfsburg und die TSG Hoffenheim selbstverständlich weiter austragen. Rechtsexperten gehen zudem davon aus, dass Spiele, die vor 19:59 Uhr angepfiffen werden, ebenfalls starten dürften, solange sie an einem anderen Ort abgepfiffen werden würden. Parallelen hierzu wären in der Rechtssprechung des Nachtflugverbots zu finden oder aber beim eher unbekannten »Nachtflugkopfballverbot«. »Da hat der DFB ja bereits gezeigt, dass man sich zugunsten des Sports auf Ausnahmeregelungen einlassen würde«, sagte ein Insider.