Was der Rekordtransfer über Bilbao verrät

Vier verkaufte Spieler in zehn Jahren

Über 50 Spieler verließen Bilbao in den vergangenen zehn Jahren, doch die meisten taten das, weil sie keine Zukunft mehr in Bilbao hatten und deshalb ablösefrei zu kleineren Klubs wechselten oder ihre Karriere beendeten. Mit Ausnahme von vier Spielern. Als Jupp Heynckes 2012 unbedingt einen relativ unbekannten Mittelfeldspieler zum FC Bayern holen wollte, versuchten die Münchner alle möglichen Tricks, um Bilbao an den Verhandlungstisch zu bekommen. Doch die weigerten sich. Selbst als Javi Martínez, ohne Absprache mit dem Klub, nach München reiste und einen Medizincheck absolvierte, blieben die Basken stur. Der Spieler wird nicht verkauft, hieß es. Also musste der FC Bayern die, damals extrem hoch wirkende, festgeschriebene Ablösesumme von 40 Millionen Euro bezahlen, einen Teil davon übernahm Martínez selbst.

Bei Ander Herrera, zwei Jahre später, das selbe Spiel. Manchester United hatte ein Jahr lang versucht mit dem baskischen Verein zu verhandeln – ohne Erfolg. Herrera musste selbst einen Teil der festgeschriebenen Ablöse übernehmen und sich von seinem früheren Klub harte Kritik anhören: »Unser Ziel ist es, Spieler zu haben, deren erste Priorität es ist, unser Trikot zu verteidigen. Anders Entscheidung ist mit dieser Einstellung nicht zu vereinbaren, das ist enttäuschend«, schrieb der Verein in einer Pressemitteilung.

Am Tag als Kepa seine Vertragsverlängerung bekannt gab, war es Aymeric Laporte, der Athletic enttäuschte. Manchester City hatte seit März 2016 versucht den Innenverteidiger zu verpflichten, wollte sogar schon einmal die Ausstiegsklausel bezahlen, doch Laporte entschied sich gegen einen Wechsel und verlängerte den Vertrag in Bilbao. Die Ausstiegsklausel wurde erhöht. Im Sommer 2018, fast zwei Jahre nach dem ersten Kontakt, konnte City den Spieler doch noch von einem Wechsel überzeugen. Auch er fiel beim Verein in Ungnade.

2011 lockerte der Verein seine Regeln

Ein Ersatz für Kepa drängt sich nicht auf, gute Torhüter sind selten, gute baskische Torhüter noch viel seltener. Die wahrscheinlichste Alternative ist Iago Herrerín, bisher die Nummer Zwei hinter Kepa, der mit 30 Jahren erst 41 Erstliga-Spiele bestritten hat. Auch er lernte in Bilbaos Jugendabteilung das Fußballspielen. Beim AS St.-Étienne spielt der Baske Stephane Ruffier (31), Alex Remiro war bisher Bilbaos dritter Torwart und hat noch keine Erfahrung in der Primera División. Wie lange Athletic diese Transferpolitik noch durchziehen kann ist nicht abzusehen.

Kleine Änderungen ihrer selbstauferlegten Einstellungskriterien mussten sie schon vornehmen: Im Jahr 2011 wurde die Regelung, wer für Bilbao auflaufen darf, ein wenig gelockert. Seitdem dürfen auch Spieler unter Vertrag genommen werden, die „das Fußballspielen im Baskenland gelernt haben«, das heißt, die im Baskenland aufgewachsen sind und dort in Jugendmannschaften gespielt haben. So kam es, dass Iñaki Williams, Sohn eines Ghanaers und einer Liberianerin, der erste dunkelhäutige Torschütze und unumstrittener Leistungsträger für Bilbao wurde. Williams verlängerte vor einem halben Jahr, als Gerüchte über einen Wechsel zu Dortmund oder Real Madrid aufkamen, seinen Vertrag bis 2025. Seine festgeschriebene Ablösesumme liegt bei 108 Millionen Euro. Bei der Unterschrift sagte er: »Ich möchte ein Vorbild für den Nachwuchs sein, denn Athletic ist einzigartig und das Beste was es gibt.« Die Fans hoffen, dass er seine Worte ernst meint.