Was der FC St. Pauli seinen Sponsoren zu sagen hat

»Wir sind auch nicht vor sexistischen Gesängen gefeit«

Was passiert, wenn sich ein Sponsor nicht an die Abmachung hält?
Alles was im Stadion kommuniziert werden soll, liegt uns zunächst vor. Wenn etwas gegen unsere Regeln verstößt, sagen wir: »Das findet nicht statt, denkt euch bitte etwas anderes aus«. Es geht darum, unser Stadion frei von sexistischer Werbung zu halten. Dass wir damit nicht die generelle Markenkommunikation unserer Sponsoren verändern, ist völlig klar und ist auch nicht der Anspruch dieses Regelwerks. Aber perspektivisch wird man sich voraussichtlich überlegen, ob man mit einem Partner, bei dem sexistische Äußerungen an der Tagesordnung sind, zusammenarbeiten würde. Wir wissen, dass wir uns bei möglichen Fehlern aufgrund dieses Engagements besonders angreifbar machen. Aber das sehen wir als Ansporn.

Das Risiko, Sponsoren zu verprellen, nehmen Sie in Kauf?
Wir haben ja bereits jetzt Vermarktungsleitlinien und es sind auch schon in der Vergangenheit Sponsorings nicht zustande gekommen, weil wir gesagt haben, dass der potentielle Partner nicht zum Verein passt. Am Ende muss man sich entscheiden. Wir stehen für unsere Haltung und unsere Werte und wenn das nach sich zieht, dass wir mit einem möglichen Sponsor nicht zusammenkommen, dann ist das eben so.

St. Pauli gilt ohnehin als Vorreiter in Sachen Antisexismus im Fußball. Gibt es gerade hier die Notwendigkeit für solche Maßnahmen?
Wir sind auch nicht vor homophoben oder sexistischen Beleidigungen gefeit. Auch unter den 30.000 Zuschauern in unserem Stadion ruft einer mal »Schwuchtel« oder ähnliches. Uns ist es deshalb wichtig, uns selber auch permanent zu überprüfen und das Bewusstsein für den Kampf gegen Homophobie und Sexismus wachzuhalten.

Geht es nicht vor allem auch um die Symbolwirkung?
Es geht bei dem Regelwerk im ersten Schritt um die Kommunikation im Stadion, um klare Regeln für Partner und Sponsoren. Es geht also um Konkretes und um mehr als nur die Symbolwirkung. Zum anderen geht es aber auch um die Besucher und Besucherinnen im Stadion. Die Werberegeln sind natürlich nicht einfach auf diese umzumünzen, nichtsdestotrotz hoffen wir auf eine weitere, intensive Auseinandersetzung mit dem Thema, auch wenn wir den Kampf gegen Sexismus seit Jahrzehnten in unserer Stadionordnung verankert haben. Wenn das einen Vorbildeffekt für andere Vereine hat, ist das toll. Wir machen das aber nicht, um unser Image zu verbessern, sondern weil wir davon überzeugt sind.