Was der Fall Boateng über das Business sagt

Schlecht beraten

Für einen Jungprofi geht heute nichts mehr ohne einen Spielerberater. Eine Entwicklung, der Vereinsmanager skeptisch gegenüber stehen. Zu recht, wie der Fall von Kevin-Prince Boateng zeigt. Was der Fall Boateng über das Business sagt Vergleicht man das Umfeld eines modernen Profis mit dem eines Spielers aus den 80er Jahren, hat sich eigentlich nur eines nicht gewandelt: Beide spielen auf mehr oder weniger grünem Rasen. Ansonsten scheint es, als wäre alles heute anders. Das Medieninteresse, die Masse an Zuschauern und der gesellschaftliche Stellenwert des Fußballprofis sind nur einige der Dinge, die sich verändert haben. Angesichts dieser Umbrüche ist es eine Binsenweisheit zu behaupten, dass sich der Profifußball in den letzten Jahren extrem verändert hat. Um die Bedeutung dieses Wandels zu verstehen reicht es, sich allwöchentlich die Kommentare Udo Latteks im DSF »Doppelpass« anzuhören. Spätestens dann ist klar: Wir leben heute in einer anderen Welt.
 
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Besonders der Alltag eines modernen Fußballprofis ist mit früheren Zeiten nicht mehr zu vergleichen. Interviewanfragen, Werbeangebote, Vertragsverhandlungen, Umgang mit Medien. Fußball ist ein Geschäft, an dem viele teilhaben wollen. Schon für jugendliche Kicker geht es deshalb nicht ohne einen eigenen Spielerberater. Auch diese Erkenntnis ist keine neue. Neu ist aber, dass man inzwischen an prominenten Beispielen die negativen Auswirkungen dieser Entwicklung erkennen kann.
 
»Ich war jung und naiv«, beklagte sich unlängst Kevin-Prince Boateng gegenüber dem »kicker«. Mit seinem Wechsel im Sommer 2007 von Hertha BSC Berlin zu den Tottenham Hotspurs hatte er sich äußerst ungeschickt selbst aufs sportliche Abstellgleis manövriert. In der Überzeugung die kommende Offenbarung auf dem Spielfeld zu sein, kehrte er seinem Ausbildungsverein den Rücken. In England kam er in seiner Debütsaison über 13 Einsätze nicht hinaus, inzwischen reicht es nur noch fürs Reserveteam.
 
Die späte Einsicht

 
Boateng gibt selbst offen zu, dass er sich durch sein Umfeld in eine falsche Richtung hat drängen lassen. Er ist damit eines der prominentesten Opfer des modernen Fußballzirkus. Von den Menschen um ihn herum zum Superstar stilisiert, glaubte er irgendwann selbst daran einer zu sein. Mit dem sportlichen Abstieg ging allerdings seine ganz persönliche Läuterung einher. Für sich selbst hat Boateng die Konsequenz daraus gezogen und ist zu seinem alten Berater zurückgekehrt.
 
An seinem Fall erkennt man, dass die Skepsis mit der die meisten Bundesligamanager dem großen Einfluss der Spielerberater gegenüberstehen, gerechtfertigt ist. Dabei teilt sich Kevin-Prince Boateng sein Schicksal mit dem Bruder Jerome, der zur gleichen Zeit wie er die Hertha in Richtung Hamburg verließ. Auch dieser Wechsel wurde aggressiv durch den Berater Karel van Burik vorangetrieben. Und auch dieser Transfer war nicht unbedingt ein Wechsel zum Guten für den betroffenen Spieler.
 
Bei Hamburg hat Jerome Boateng nach einer guten Debütsaison in dieser Spielzeit magere fünf Bundesligaspiele absolviert – kein einziges über 90 Minuten. Natürlich ist es müßig, darüber zu spekulieren, ob die Leistungen der beiden Spieler in Berlin besser gewesen wären. Sehr wahrscheinlich aber ist, dass sie bei dem Verein, in dessen Jugendmannschaften sie herangereift sind, zumindest eine gute Perspektive gehabt hätten. Wenn auch bei schlechterem Gehalt.
 
Was auf diesem Weg für sie möglich gewesen wäre, zeigt ein Altersgenosse, der sich für die Hertha entschieden hat. Patrick Ebert blieb als eines der wenigen Jugendtalente dieser Generation der Hertha treu. In der letzten Saison avancierte er zum Stammspieler und einer festen Stütze im Team. In Berlin gehört er zu den Publikumslieblingen.