Das volle Programm zur WM in Russland
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Was der DFB-Präsident von Philipp Lahm lernen kann

Grindel auf Twitter? Er sollte lieber rumfloskeln

Privatfehden mit Reportern, optimistische WM-Prognosen - Reinhard Grindel muss dringend in die Philipp-Lahm-Twitterakademie.

imago

Philipp Lahm hat in seinem Fußballerleben schon unzählige Trophäen abgeräumt. Ein Pokal sollte ihm allerdings auch noch rasch überreicht werden, nämlich den für den überraschungsärmsten Twitter-Account aller Zeiten. Das ist durchaus eine Kunst, weil sehr viele Sportler auf Twitter sehr langweilig sind. In aller Regel werden die Stars nämlich dort von Agenturen vertreten, die dann massenhaft Werbebotschaften und debile Motivationssprüche posten. Thomas Müller zum Beispiel ist im wirklichen Leben ein intelligenter und wortgewandter Bursche, auf Twitter hingegen postet er Jürgen-Höller-Sprüche wie »We are hungry«. Und sein Kollege Manuel Neuer bemühte auf Twitter tatsächlich und ganz unironisch die alte Trainerphrase »Das erwartet schwere Spiel«, wohlgemerkt nach einem Spiel beim Hamburger SV.

Und trotzdem toppt Lahm sie irgendwie alle. Als ob er und seine Agentur es richtig drauf anlegen, immer das Erwartbarste zu schreiben, was wirklich jedem gerade ohnehin in den Sinn kommt. Ob vor Champions-League-Spielen (»Champions-League-Nächte in der Allianz Arena sind immer etwas Besonderes«), nach dem DFB-Pokalendspiel (»Es war ein packendes Finale«), nach dem 34.Spieltag (»Nach der Bundesliga ist vor der WM«) und nach dem Ausscheiden der deutschen Elf (»Dennoch muss es weiter gehen und ich bin gespannt, was der heutige WM-Tag bringt«). Lahm ist eben immer noch ein bisschen floskeliger als alle anderen. Das kann man schade finden, schließlich wäre Lahm ja durchaus eine Stimme, auf die man hören würde.

»Es muss ja weiter gehen«

In diesen Tagen aber wünscht man sich fast, Manager Oliver Bierhoff und vor allem DFB-Präsident Reinhard Grindel würden sich an der Floskelei eines Philipp Lahm ein Beispiel nehmen, anstatt in Interviews ständig neuen Unfug zu verkünden. Ohnehin wollte Grindel ja eigentlich in den sozialen Medien richtig durchstarten und fing auf Empfehlung des früheren Bild-Chefs Kai Diekmann sogar an zu twittern. Aus der Zusammenarbeit mit Diekmanns neuer Agentur wurde dann aber nichts. Und seither ist Grindel freihändig im Kurznachrichtendienst unterwegs. Dort veröffentlicht er optimistische Prognosen wie vor dem Südkorea-Spiel (»Wir sind zuversichtlich, dass der Einzug ins Achtelfinale gelingt!«) und liefert sich bizarr anmutende Privatfehden mit Reportern von Münchner Regionalzeitungen, bloß weil die die Bild-Zeitung zitiert haben, die wiederum Fifa-Informanten zitierte, denen angeblich »ständige Extrawünsche der DFB-Delegation« so auf den Zeiger gingen, dass sie zur Strafe den deutschen Referee Felix Brych vorzeitig nach Hause schickten.

Ein guter Tipp also an Reinhard Grindel: Nicht immer auf Mesut Özil herumhacken, nicht ständig die Schuld für den desaströsen Auftritt in Russland bei allen anderen suchen, stattdessen einfach mal so inhaltsleer twittern wie Philipp Lahm. Morgen zum Beispiel: »Es muss ja weiter gehen«. Und übermorgen: »Nach der WM ist vor der Bundesliga«. Nichts zu danken, gerne wieder.