Was an der China-Idee alles falsch ist

Der letzte Tropfen

Die chinesische U20 könnte außer Konkurrenz in der Regionalliga Südwest antreten. Eine Idee, die weiter von der Welt der Amateurvereine entfernt liegt als Peking von Koblenz.

Screenshot: twitter.com/livetickercom

Eine Woche ist es her, da meldete Fußball-Regionalligist Hessen Kassel die Insolvenz an. Bankrott, pleite, nichts geht mehr. Sogleich bestrafte der Verband den zahlungsunfähigen Verein mit einem Abzug von neun Punkten für die kommende Saison.

Wenn im Laufe der Saison die chinesische U20-Nationalmannschaft in Kassel spielt, können die Hessen keine Punkte sammeln, aber Geld. Die Gäste aus Fernost sollen, nach den Plänen von DFB und des chinesischen Verbands, die Regionalliga Südwest auf die gerade Anzahl von 20 Mannschaften aufstocken und der ansonsten spielfreien Mannschaft zweimal in der Saison als Sparringpartner dienen. Was für eine Idee.

Zuschauer + Bratwurst

Im Gegenzug für die Solidaritätsaktion »Aufbau (Fern-)Ost« erhält jeder Verein für jedes Spiel von den Chinesen eine Zulage von 15.000 Euro. Inklusive Zuschauereinnahmen und Bratwurstverkauf bedeutet das für jeden Teilnehmer finanziell circa einen neuen Spieler.

Doch darum geht es nicht.

Der Fußball hat längst den Zenit des Geduldsbergs seiner Anhänger überschritten. Spielzeuge von Brausefabrikanten, die in der Champions League spielen dürfen, weil sie ja absolut nichts miteinander zu haben - abgesehen von Logo, Vereinsnamen und Sponsor. Pokalendspiele, die laut öffentlich geäußerten Plänen demnächst im Ausland stattfinden sollen. Spieler und ihr Rattenschwanz an Beratern, die jeden Cent am Fiskus vorbeischleusen wollen. China in Baden-Württemberg ist da nur noch ein kleiner Tropfen.

Der Trikotverkauf in Tianjing

Das Fass im Amateurbereich könnte damit trotzdem überlaufen. Angeblich, so sagt der DFB, sind die Vereinsverantwortlichen mit dem Plan einverstanden. Zwei Spiele ohne sportliches Risiko mit Zusatzeinnahmen. Und, wie es Kickers-Geschäftsführer Christopher Fiori (meldete im Mai die Insolvenz seines Vereins) sagt: »Wir sehen für ein Spiel in Offenbach auch gute Vermarktungsmöglichkeiten«. Natürlich, die OFC-Trikotnachfrage in Tianjing wird kaum zu stillen sein.