Was beim Videobeweis falsch läuft

Fußball wird zum Wasserball

Der Videobeweis erhitzt die Gemüter. Spieler wie Gigi Buffon kritisieren ihn heftig. Drei Punkte müssen sich grundlegend ändern.

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Gigi Buffon würde sich wunderbar als Kolumnenschreiber eignen. Leider ist der Italiener gerade noch anderweitig, nämlich im Tor von Juventus Turin, beschäftigt. Deswegen reichen seine Meinungsäußerungen nicht für einen gesamten Text, wohl aber als Stichworte für einen Kommentar zum Thema Videobeweis. Buffon äußerte sich am Wochenende relativ deutlich: »Das hat nichts mehr mit Fußball zu tun, das Spiel wird mehr und mehr zum Wasserball.«

Einer von Buffons Kritikpunkten war die technische Umsetzung, die auch in Deutschland für Unmut sorgte. »Es dauert viel zu lange. Ich habe gar nicht gejubelt, als wir einen Elfmeter bekamen, weil sechs Minuten diskutiert wurde«, so Buffon. Nun war die deutsche Leitung vom Videoschiedsrichter zum Schiedsrichter am zweiten Spieltag bereits schneller, doch das ewige Warten schneidet ohne Frage die urwüchsigen, spontanen Emotionen des Spiels ab.

Nun gibt es nicht wenige Beobachter, die das zum Wohle einer korrekten Entscheidung in Kauf nehmen würden. Nur: Der Videobeweis hat noch viel grundlegendere Probleme.

»Endlich Gerechtigkeit«? Die Erwartungen waren viel zu hoch

Die Zuschauer sind deswegen so enttäuscht, weil die Erwartungshaltung an die technische Neuerung viel zu hoch war. Jetzt werde endlich die Gerechtigkeit in den Fußball einziehen, hieß es von den Befürwortern des Videobeweises. Dabei dürfte klar sein, dass der Begriff der absoluten Gerechtigkeit genauso schwammig ist wie jener der absoluten Sicherheit, der bei der Videoüberwachung von öffentlichen Plätzen bemüht wurde.

Bei den Fragen »Tor oder nicht Tor« und »Abseits oder kein Abseits« kann der Videoschiedsrichter noch eine klare Entscheidung treffen. Bei solchen Entscheidungen gibt es nach dem Studium der Bilder keine zwei Meinungen. Doch allein die Diskussionen über Handspiel im Strafraum waren schon in der vergangenen Saison nach zehn Zeitlupen so ausufernd, dass sie auch ein Schiedsrichter am Bildschirm nicht vollends beenden wird.