Was beim VfB schiefgelaufen ist

Plötzlich abgestiegen

Der VfB Stuttgart hat die spielerischen und taktischen Probleme lang übersehen. Aber erst eine Verletzung leitete die Katastrophe ein.

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Stell dir vor, es ist Abstieg – und keinen interessiert's. Stuttgarts drohender Untergang fühlt sich anders an als jener des Hamburger SV in den vergangenen Jahren. Damals wartete die ganze Nation nur darauf, dass der Dino den logischen nächsten Schritt in die Zweitklassigkeit macht. Und jetzt? Kein Aufschrei in der Öffentlichkeit, keine monatelange Selbstzerfleischung. Stuttgart trottet auf leisen Sohlen in die zweite Liga.

Monatelang wiegte sich Stuttgart in Sicherheit. Nach dem missglückten Start unter Alexander Zorniger stabilisierte Jürgen Kramny das Team, führte es in die sicheren Gefilde des Mittelfelds. Schwache Hin-, starke Rückrunde: eine typische VfB-Saison, dachten die Fans. Doch dann kam der große Einbruch: fünf Niederlagen in Folge, nur fünf Punkte aus den vergangenen zehn Spielen. Der VfB ist – sollte kein Wunder Bern'schen Ausmaßes mehr geschehen – abgestiegen.

Kramny stabilisiert das Team

Dabei fing alles so gut an unter Kramny. Er stabilisierte er das Team, indem er von Zornigers All-In-Pressingformel abwich. Stuttgarts Abwehr hatte zuvor große Probleme, Situationen zu verteidigen, in denen der Gegner schnell auf sie zuläuft. Das mussten sie durch das aggressive Pressing aber oft. Die Lösung: Kramny ließ Abwehr und Mittelfeld tiefer spielen, impfte seiner Mannschaft einen passiven Stil ein.

Ein Spieler wurde zum Gesicht des Wiederaufstiegs des VfB Stuttgarts: Serey Die. Er übernahm im zentralen Mittelfeld die Drecksarbeit. Er sicherte für seine Kollegen ab, wenn diese zu schnellen Kontern ansetzten. Gerade zu Beginn der Rückrunde konterte der VfB seine Gegner aus, spielte schnelle, diagonale Angriffe über die Flügel. Immer mit dabei: Daniel Didavi, der im offensiven Mittelfeld die Bälle verteilte und selbst oft aus der zweiten Reihe abschloss.


Die fällt aus – VfB fällt ab


Mit der Verletzung von Die war die Herrlichkeit jedoch vorbei. Die Quote des Ivorers beim VfB in dieser Saison ist beeindruckend – oder bedrückend, je nachdem, aus welchem Blickwinkel man es betrachtet. Mit Die holte der Klub 30 Punkte in 23 Spielen, das ergibt eine Quote von 1,3 Punkten pro Spiel. Von den zehn Spielen ohne ihn verlor der Klub neun und gewann nur eins. Das ergibt 0,3 Punkte pro Spiel – eine brutale Statistik.