Was Bayerns Sieg gegen Paderborn aussagt

Wie sich Kimmich und Thiago behinderten

3. Harmonieren Kimmich und Thiago?

Auf dem Papier stellte Niko Kovac das spielstärkste Mittelfeld auf, das die Bundesliga zu bieten hat. Joshua Kimmich und Thiago bildeten die Doppelsechs, Philipp Coutinho spielte auf der Zehn. Während Coutinho als Zehner sehr auffällig war und ein Tor sowie zwei weitere Großchancen vorbereitete, gab es auf der Doppelsechs Probleme.

Thiago und Kimmich ließen sich jeweils weit fallen. Beide versuchten, den Spielaufbau an sich zu reißen, harmonierten dabei aber nicht gut miteinander. Die Räume vor der Abwehr waren mit ihnen zwar gut besetzt, Dynamik nach vorne gab es aber kaum aus dem Mittelfeld. Auch deshalb mussten die Bayern immer wieder den Ball auf die Flügel wählen.

Die Einwechslung von Javi Martinez (für Thiago) in der Halbzeitpause stabilisierte die Bayern defensiv, sie erhielten mehr Zugriff im Mittelfeld und hatten über Kimmich nun einen klaren Fokuspunkt im Spielaufbau. Thiago hingegen hatte in der ersten Halbzeit einen gebrauchten Tag erwischt. Die Frage lautet nun, ob dies einfach ein schlechter Tag Thiagos war – oder ob die Doppelsechs Thiago-Kimmich nicht funktioniert.

4. Warum genügen so einfache Mechanismen?

Dass Paderborn nach der Pause noch einmal zurückkam, lag nicht am Münchner Zentrum. Sie hatten sich eine andere Taktik zurechtgelegt. Trainer Steffen Baumgart wechselte für den rechten Flügel in Kai Pröger einen bulligen Spielertypen ein. Er sollte gegen den ebenfalls eingewechselten Außenverteidiger Alphonso Davies ins direkte Duell gehen.

Diese Idee ging auf: Paderborn spielte von der halblinken Seite Diagonalbälle nach rechts. Pröger stand entweder komplett frei oder gewann die direkten Duelle. Es war ein einfaches Mittel, das die Bayern ärgerte und zum Anschlusstreffer führte. Ein zu einfaches Mittel. So etwas dürfte den Bayern eigentlich keine Kopfschmerzen bereiten.

5. Sollte das Münchener Pferd höher springen?

Wie hoch muss ein Pferd springen? Diese metaphorische Frage stellt sich für den FC Bayern München. Das Team von Niko Kovac eroberte mit dem 3:2-Sieg die Tabellenspitze. Uneingeschränkte Freude wollte jedoch nicht aufkommen. Dafür war die Leistung der Bayern zu schwach. Sie waren wie das sprichwörtliche Pferd, das nur so hoch springt wie es muss.

Doch Worte der Selbstkritik, dass man nach einer 2:0-Führung gegen den SC Paderborn noch zwei Gegentore kassiert? Gab es wenige. Manuel Neuer und Hassan Salihamidzic kritisierten allenfalls die Chancenverwertung. Joshua Kimmich bemängelte die fehlende Dominanz.

Kritisch zeigte sich in erster Linie der Trainer. Er hätte unter der Woche vor dem Gegner noch gewarnt. Er weiß: Ein Pferd, das immer nur so hoch springt, wie es muss, kann auch einmal eine Hürde reißen. Am Dienstag im Champions-League-Spiel gegen Tottenham wird sich zeigen, ob sich die Münchner zum richtigen Zeitpunkt geschont haben – oder ob ihnen die Selbstverständnis im Spiel fehlt. Das Pferd wird höher springen müssen.