Was Bayern-Schalke lehrt

Nur Mut, Bundesliga!

Die Bayern marschieren ohne Müh' und Not zum Titel. Tatsächlich? Gegner wie Schalke 04 zeigen: Die Liga hat sich nicht aufgegeben. Und es gibt tatsächlich Mittel gegen den Rekordmeister.

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Murmeltiertag in der Bundesliga. Ein weiterer Fußball-Samstag — ein weiterer Sieg von Bayern München. Der 2:1-Erfolg gegen Schalke 04 war der neunte Bayern-Sieg in Folge. 18 von 22 Saison-Spielen konnten sie gewinnen, seit dem Trainerwechsel zu Jupp Heynckes verloren sie nur eine Partie. 18 Punkte beträgt der Vorsprung auf den Zweiten mittlerweile. 

Und doch erzählen die nackten Ergebnisse nur die halbe Geschichte. Schon gegen Werder Bremen (4:2) und gegen Hoffenheim (5:2) mussten die Bayern Rückstände aufholen, gegen Bayer Leverkusen (3:1) bis zum Schluss zittern. Schalke gelang sogar noch mehr: Sie drängten Bayern vor allem in der ersten Halbzeit weit in die eigene Hälfte. Aus dem Spiel lässt sich einiges ableiten über Bayerns Stand in der Liga — und wie man ihnen beikommen kann. 

1. Mut lohnt sich
Sich gegen die Bayern am eigenen Strafraum verbarrikadieren und auf den entscheidenden Konter hoffen — diese Strategie wählt kaum ein Gegner mehr in der Bundesliga. Sie wissen: Lassen die Bayern erst einmal den Ball laufen, läuft man selbst nur noch hinterher. Bremen, Hoffenheim und nun auch Schalke wählten einen anderen Weg: Sie wählten eine aggressive und offensive Taktik.

Bei Schalke zeigte sich dies schon in der Aufstellung: Trainer Domenico Tedesco schickte drei gelernte Stürmer auf das Feld. Ihre Dreierkette war keine verkappte Fünferkette, wie dies in der Liga mittlerweile üblich geworden ist, sondern in der Tat eine offensiv ausgerichtete Dreierkette. Schalke störte früh im 3-4-3. Auch bei Ballbesitz rückten die Spieler weit vor, selbst die Innenverteidiger halfen in der gegnerischen Hälfte beim Gegenpressing. Solch ein aggressives Gegenhalten wurmt die Bayern; manchmal hat man gar das Gefühl, sie sind es nicht mehr gewohnt und daher ein bisschen überfordert.

2. Es hilft, Bayerns Sechser zuzustellen
Heynckes verlieh den Bayern im vergangenen Herbst neue Stabilität, indem er auf ein fixes System umstellte. Die Bayern agieren aus einem 4-3-3, das situativ zu einem 4-4-2 werden kann. Ankerpunkt ist ein Sechser vor der Abwehr. Dieser soll gegen den Ball für seine Kollegen absichern und bei Ballbesitz den Innenverteidigern als erster Anspielpunkt dienen. Zuletzt übernahm Javi Martinez häufig diese Rolle. Gegen Schalke kam Arturo Vidal als Sechser zum Einsatz.

Schalke legte offen, von welch entscheidender Bedeutung diese Rolle ist. Sie stellten mit Franco di Santo einen ständigen Manndecker auf Vidal ab. Gleichzeitig kappten sie die Passwege zwischen den Innenverteidigern. Die Bayern fanden so nie in ihre Ballzirkulation. Stattdessen spielten sie überhastete Bälle in die Füße der Schalker Verteidiger. Schalkes taktischer Trick war nicht komplex, hatte aber eine große Wirkung.