Was auf HSV-Präsident Bernd Hoffmann jetzt zukommt

Die Mammutaufgabe

Bernd Hoffmann ist neuer HSV-Präsident. Ob der Klub mit ihm den Abstieg noch abwenden kann, ist fraglich. Viel wichtiger ist aber eine andere Frage. 

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Im von Statistik übersättigten Profifußball weiß man ja oft nicht mehr, welche Zahlen wirklich aussagekräftig sind und welche nicht. Aber manchmal sind die Zahlen eben doch unbestechlich, so etwa im Falle der HSV-Präsidentschaftswahl am Sonntag. Dort stimmten 51 Prozent der Mitglieder für Bernd Hoffmann als neuen Präsidenten, 49 Prozent stimmten für Amtsinhaber Jens Meier. 

Eine Wahl, die auf der Kippe stand; Bernd Hoffmann schien das Ergebnis selbst kaum glauben zu können, als es verkündet wurde. Und die damit das grundsätzliche Problem des Hamburger SV in aller Deutlichkeit aufzeigt: Der Klub, Bundesliga-Dino seit 1963, fünffacher Deutscher Meister, dreifacher Pokalsieger, ist gespalten wie nie. 

»Gegner im eigenen Verein«

Das liegt einerseits natürlich an der sportlichen Misere, die seit Jahren und trotz horrender Investitionen unverändert anhält. Der sportliche Turnaround ist oberflächlich gesehen vorderstes Ziel Hoffmanns. Das eigentliche Ziel aber wird ein anderes sein: Hoffmann, der bereits von 2003 bis 2011 Vorstandsvorsitzender war, muss den Klub wieder einen.

Dass er nach Wahlgewinn mit »Hoffmann raus!«-Rufen bedacht wurde, sagt viel über das Ausmaß dieser Aufgabe aus. Immerhin: Hoffmann scheint sich dessen bewusst. »Die Schwere der Aufgabe nehme ich schon wahr und bin sehr nachdenklich. Wenn wir den Gegner im eigenen Verein sehen, werden wir es zu nichts bringen.«

»Ein Weiter so kann es nicht geben«

Das gilt insbesondere bei einem tatsächlichen Abstieg des Klubs, der nach dem verpufften Trainerwechsel Woche für Woche wahrscheinlicher wird. Zwar sagte Finanzvorstand Frank Wettstein auf der Versammlung: »Wir werden ligaunabhängig die Lizenz erhalten – das ist sicher«, in existenzbedrohende finanzielle Probleme wird der HSV also zumindest in der ersten Unterhaussaison nicht kommen. Aber klar ist auch: Setzt sich auch in der Zweiten Liga das wöchentliche HSV-Chaos fort und wird keine gemeinsame Basis für ruhiges, professionelles, einheitliches Arbeiten gefunden, droht der Klub auch auf lange Sicht nicht mehr auf die Beine zu kommen. 

Die ersten Amtshandlungen Hoffmanns werden also darauf abzielen müssen, im fragilen Gebilde HSV für Ruhe zu sorgen und die Gräben zuzuschütten. »Ein Weiter so kann es nicht geben«, sagte Hoffmann. Sollte er die Mammutaufgabe, den gespaltenen Klub wieder zu vereinen, nicht schaffen, wird es aber genau so weiter gehen, wie es schließlich seit Jahren immer so weiter geht. Daran könnte wahrscheinlich nicht mal ein sensationeller HSV-Klassenerhalt etwas ändern.