Was Andreas Herzog als Nationaltrainer Israels bevorsteht

Eine heikle Mission

Werder-Ikone Andi Herzog soll Israels Fußball salonfähig machen. Eine äußerst schwierige Aufgabe – sportlich, politisch und vor dem Hintergrund der eigenen Geschichte.

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Man schrieb das Jahr 2001, als Andi Herzog erstmals nach Israel reiste. Es war der letzte Spieltag in der Qualifikation zur WM 2002. Die Israelis mussten gegen Österreich gewinnen, um in die Playoffs zum Weltturnier einzuziehen. Den Gästen um Herzog genügte hingegen schon ein Punkt für die Relegation. Dann die Nachspielzeit: Freistoß Österreich. Tor. 1:1. Herzog.

Dumme Äußerung oder nur ein Gerücht?

Ausgerechnet Herzog, der am Montag als neuer Nationalcoach Israels vorgestellt wurde. Ausgerechnet Herzog, dem die Online-Plattform »Ynet« vor einigen Tagen vorwarf: »Vor dem Spiel (2001; d. Red.) ermutigte er Palästinenser, zum Spiel zu kommen und sein Team gegen Israel zu unterstützen.« Was schlichtweg Blödsinn ist, wie Zeitzeugen aus Österreich berichten und Herzog selbst vor wenigen Tagen gegenüber dem Wiener »Kurier« beteuerte: »Ich wäre nie auf die Idee gekommen, mit so einer dummen Äußerung die Stimmung zusätzlich anzuheizen.« Die »Times of Israel« konfrontierte den Neuen mit einem weiteren Vorwurf: »Herzog sagte in der Vergangenheit, dass er nie so viel Feindseligkeit gespürt hätte wie bei seinem Aufenthalt in Israel.« Was angesichts der Krawalle nach dem Spiel zumindest nachvollziehbar gewesen wäre.

Gemessen an dem unschönen medialen Vorgeplänkel fiel der offizielle Empfang am Montag im Ramat-Gan-Stadion von Tel Aviv ziemlich warm aus. Herzog trug bei seiner Antritts-Pressekonferenz eine blaue Trainingsjacke mit dem israelischen Verbandswappen auf der Brust und wollte sich mit dem Thema 2001 gar nicht lange aufhalten: »Das ist lange her. Es gab viele Schlagzeilen, und es wurde viel darüber gesprochen. Damals habe ich für Österreich getan, was ich konnte. Und jetzt werde ich dasselbe für Israel tun.«

Vorbild: ausgerechnet Deutschland

Für sich selbst sieht Herzog vor allem die sportliche Herausforderung. Und die Chance, etwas zu erreichen: »Ich glaube an den israelischen Fußball und die israelischen Spieler.« Gleichzeitig ließ der Österreicher durchblicken, ihnen künftig einiges abzufordern. Von seinem Freund und Mentor Jürgen Klinsmann, unter dem »Herzerl« von 2011 bis 2016 Co-Trainer der US-Nationalelf war, weiß er: Um erfolgreich zu sein, musst du Franz Beckenbauer heißen – oder hart arbeiten, am besten rund um die Uhr: »Ich habe zehn Jahre in Deutschland gespielt, und es gibt einen Grund, warum die Deutschen so erfolgreich sind.« Ein gewagtes Beispiel, vor allem in Israel. Doch die meisten anwesenden Journalisten nickten anerkennend.

Herzog selbst geht tatendurstig voran. Bereits am vergangenen Donnerstag sah er sich das Europa-League-Qualifikationsspiel zwischen Hapoel Haifa und Atalanta Bergamo vor Ort an, am Wochenende standen zwei Vorbereitungsspiele israelischer Klubs auf dem Programm: Bnei Yehuda Tel Aviv gegen Moadon Sport Ashdod sowie Maccabi Netanya gegen Bnei Sakhnin. Auch die jüngsten Auftritte der israelischen Nationalelf habe er bereits analysiert, erzählte der 49-Jährige: »Ich habe gute Dinge gesehen und Punkte, die verbessert werden müssen. Aber wenn wir eine Einheit sind und uns alle unterstützen, können wir es schaffen.«